Frankreich

von Jenny 22 Min. Lesezeit 0 Kommentare

Städtetrip nach Marseille mit Teenagern

Herbstferien zwischen Street Art und Calanques

Städtetrip nach Marseille in Frankreich am Mittelmeer

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Marseille Tourisme entstanden.

Vergesst alles, was ihr über Marseille jemals gehört habt, steigt in Frankfurt in den TGV und fahrt durch bis Marseille. In und um Marseille gibt es besonders für Familien mit Teenagern sehr viel Spannendes zu erleben – und das auch bei Regen im Herbst und sogar im Ausnahmezustand.

„Ist Marseille wirklich die kriminellste Stadt Europas?“, fragen uns die beiden 14-Jährigen, als wir bei uns vor der Haustür in Köln auf einen Uber warten, der uns zum Hauptbahnhof bringen soll. Wahrscheinlich habt ihr sowas auch schon gehört oder Statistiken gesehen. Bitte lasst euch davon nicht abhalten, diese tolle südfranzösische Stadt am Mittelmeer zu besuchen. Andi und ich waren vor ungefähr 20 Jahren schon einmal dort, allerdings viel zu kurz. Nun wollen wir 5 Tage unserer Herbstferien in Marseille verbringen, mit dabei unser 14-jähriger Sohn Mato und dessen Freund Henri. In und um diese wunderbare Stadt gibt es unheimlich viel zu sehen und zu erleben, besonders auch für Jugendliche.

Damals waren Andi und ich mit Freunden an der Côte d’Azur und haben einen Tagesausflug nach Marseille gemacht. Dass sich die Autofahrt ans Mittelmeer sehr zieht, wissen alle, die die Strecke schon einmal gefahren sind. Für 5 Nächte vor Ort lohnt es sich kaum. Dafür gibt es die perfekte Lösung und damit meine ich keinen Flug, sondern die umweltbewusstere und zudem sehr komfortable Alternative: Einmal täglich fährt ein direkter TGV von Frankfurt nach Marseille, Tickets gibt es ab 49,99 Euro. Ihr besteigt den Zug mittags in Frankfurt und kommt abends entspannt mitten in der Stadt am Gare Marseille Saint-Charles an.

Im TGV, der auf dieser Direktverbindung in Kooperation der französischen Bahn SNCF mit der Deutschen Bahn fährt, habt ihr bequeme Sitze und die gut 7-stündige Fahrt über Straßburg, Lyon, Avignon und Aix-en-Provence bis nach Marseille vergeht schnell. Zurück geht es um 8:11 Uhr am Morgen und am späten Nachmittag seid ihr schon am Zielbahnhof Frankfurt angekommen. Nähere Infos zur Verbindung und zu den Tickets findet ihr auf bahn.de.

Mit dem TGV von Frankfurt nach Marseille
Der TGV steht in Frankfurt bereit
Mit dem TGV von Frankfurt nach Marseille
Gemütliche Fahrt nach Marseille
Inhalt 14 Abschnitte
  1. Unser Hotel: Das Radisson Bau Marseille Vieux Port
  2. Spaziergang durch das Viertel Le Panier
  3. E-Bike Tour entlang der Küste zur Calanques
  4. Ausflug auf die Marseille vorgelagerten Inseln
  5. Von Notre Dame de la Garde durch Saint-Victor
  6. Viertel Noailles und Palais Longchamps
  7. Die Entdeckung der Cosquer-Höhle
  8. Künstlerischer Spaziergang durch Cours Julien
  9. Stadiontour im Stade Vélodrome
  10. Besuch der vertikalen Stadt Cité Radieuse
  11. Essen in Marseille: Unsere Tipps für Restaurants und Cafés
  12. Essenstipps für mittags
  13. Essenstipps für abends
  14. Noch mehr Tipps für euren Städtetrip nach Marseille

Unser Hotel: Das Radisson Bau Marseille Vieux Port

Vom Bahnhof zu unserem Hotel, dem Radisson Blu Marseille Vieux Port ist es nicht weit und das Hotel ist der perfekte Ausgangspunkt für Stadterkundungen in und um Marseille. Es liegt direkt am alten Hafen. Vom Balkon aus überblicken wir die Segelboote im Hafen, das glitzernde Meer und die vorgelagerten Inseln. Könnt ihr euch einen schöneren Ausblick vorstellen? Wir haben eine Suite, in der die Jungs und wir jeweils einen gemütlichen Bereich für sich haben. Den runden Tisch im Wohnbereich nutzen wir zum abendlichen Kartenspielen. Es gibt aber auch schöne öffentliche Lounge Bereiche, die euch im Hotel zur Verfügung stehen. Die Jungs nutzen auch jetzt im Oktober noch den Rooftop Pool, wir Eltern zumindest die Sonnenliegen der Dachterrasse. Auch der Fitnessraum kommt bei den Teenagern sehr gut an. Das Frühstücksbuffet ist der Hammer, ebenfalls mit Blick auf den Vieux-Port natürlich.

Radisson Blu Marseille Vieux Port
Ausblick von unserem Hotelzimmer
Radisson Blu Marseille Vieux Port
Unser Schlafzimmer im Radisson Blu
Radisson Blu Marseille Vieux Port
Ausblick von unserem Hotelzimmer
Radisson Blu Marseille Vieux Port
Leckeres Frühstücksbuffet

Die Altstadt und die allermeisten Sehenswürdigkeiten erreichen wir vom Hotel aus fußläufig. Für weiter entfernte Strecken nutzen wir die öffentlichen Verkehrsmittel. In Marseille gibt es ein gutes Netz an Metro, Bussen und Straßenbahnen, die ihr mit dem City Pass kostenlos nutzen könnt. Apropos City Pass, wir empfehlen euch diese. Damit müsst ihr euch nicht jedes Mal um Tickets für die Öffentlichen kümmern. Außerdem sind viele Eintritte zu Sehenswürdigkeiten inkludiert, ihr könnt den Colorbus, einen Hop-on-Hop-off Bus, damit nutzen und auch die Touristenbahn hinauf zur Basilika Notre Dame de la Garde. Auch einen Fährausflug auf die vorgelagerten Inseln könnt ihr mit dem City Pass unternehmen. Den City Pass gibt es für 24, 48 und 72 Stunden, für Kinder von 6 - 12 Jahren zum vergünstigten Preis. Er ist im Touristenbüro in der Innenstadt erhältlich oder online.

Am 17. Oktober 2026 kommen wir mit einer Verspätung von einer Stunde abends um 23 Uhr in Marseille an. Wir sind froh, dass wir gut angekommen sind, denn die Proteste gegen das französische Bildungssystem und die hohen Lebenserhaltungskosten, die für heute angekündigt waren, haben wir schon auf der Reise gespürt. Die Gleise waren zwischenzeitlich blockiert, dann konnten wir zum Glück weiterreisen. Am Bahnhof Saint-Charles herrscht Ausnahmezustand. Die Metrostation und die Ausgänge des Bahnhofs sind bis auf eine Tür verbarrikadiert. Am Taxistand ewig lange Schlangen. Wir bekommen zum Glück einen Uber zum Hotel, laufen wollen wir in diesem Ausnahmezustand heute Nacht nicht. Aus dem Uber sehen wir ein ausgebranntes Auto, verbrannte E-Scooter, zerschlagene Schaufenster, geplünderte Geschäfte und Plünderer, die aufgetürmte Kartons in ihre Autos laden. Wir schlängeln uns durch Straßensperrungen und sind froh, das Hotel zu erreichen. Natürlich fragen wir uns, wie die nächsten Tage in dieser Situation in Marseille werden sollen. Soviel vorweg: Am nächsten Morgen haben die Aufräumarbeiten schon längst begonnen. Einerseits kommen wir uns vor wie Schaulustige, als Touristen in so einen Ausnahmezustand hineingeraten zu sein. Andersherum wäre es in einer solchen Situation wohl das Schlimmste für die französischen Städte, in denen die Krawalle eskaliert sind, wenn nun plötzlich alle Touristen fernblieben oder überstürzt abreisten. Wir sind geblieben und haben uns durchweg sicher gefühlt. Die Polizeipräsenz war enorm, die Marseiller Bevölkerung gelassen. Wir konnten alles, was wir geplant hatten, ohne Einschränkungen unternehmen. Und das, obwohl wir zeitweise auch noch richtig Pech hatten mit dem Wetter und auch einmal einen dadurch bedingten Stromausfall in einem ganzen Viertel erlebt haben. Starkregen ist im Oktober übrigens nicht selten an der Côte d‘Azur. Es ist eben Herbst. Regenjacke an, Schirme im Hotel geliehen, und ansonsten gelassen bleiben wie die Einheimischen. Und los geht’s, diese wahnsinnige tolle Stadt zu erkunden.

Hotel in Marseille mit Blick auf den Vieux Port
Abendlicher Blick auf den alten Hafen

Hier kommen unsere Empfehlungen für einen Städtetrip nach Marseille mit Jugendlichen. Zuerst erfahrt ihr, was wir in unserem Herbsturlaub mit den beiden Teenagern unternommen und erlebt haben:

Spaziergang durch das Viertel Le Panier

Ein Spaziergang durch das Altstadtviertel Le Panier ist ein super Einstieg, um sich einen ersten Eindruck von der Stadt Marseille und ihrer Geschichte zu machen. Auf der unserem Hotel gegenüberliegenden Seite des alten Hafens steigen wir zunächst eine steile Treppe hinauf und schlendern dann durch enge Altstadtgassen. An vielen Wänden könnt ihr Street Art bewundern. Es gibt hübsche Plätze, wo ihr auch jetzt im Oktober noch schön draußen sitzen und Kaffee trinken oder etwas zu Mittag essen könnt. Ihr könnt euren Besuch mit einem Gang zur neobyzantinischen Kathedrale verbinden.

Am Vieux Port in Marseille
Am Vieux Port in Marseille
Am Vieux Port in Marseille
Fischmarkt am alten Hafen
Viertel Le Panier in Marseille
Street Art im Viertel Le Panier
Viertel Le Panier in Marseille
Wir erkunden das Viertel Le Panier

E-Bike Tour entlang der Küste zur Calanques

Auf der Rückseite unseres Hotels befindet sich das Fahrradcafé Fada (was provenzalisch „fou“, also verrückt, bedeutet). Hier könnt ihr euch auch E-Bikes leihen (sehr zu empfehlen im bergigen Marseille) oder geführte E-Bike Touren buchen. Eine solche nachmittägliche Tour haben wir mit Guide Philip, der sogar Deutschmuttersprachler ist und uns sehr viel Interessantes zur Geschichte der Stadt Marseille und zum Nationalpark Calanques erklären kann. Auf unserer Tour machen wir verschiedene Stopps an besonderen Aussichtspunkten und Monumenten. Die Tour ist auch für die Jungs spannend. Insgesamt legen wir etwa 35 Kilometer zurück, was mit den E-Bikes kein Problem ist.

Beim ersten Stopp, dem Pharo-Palast mit spektakulärem Blick auf den alten Hafen und weite Teile der Stadt erfahren wir, dass Marseille die älteste Stadt Frankreichs und eine der ältesten Siedlungen Europas ist. Ursprünglich griechische Siedler kamen aus dem heutigen Izmir, damals Phocea, weshalb man sich in Marseille bis heute irgendwie als eine Art griechische Stadt betrachtet. Man wollte damals neue Handelsrouten erschließen. Die romantische Ursprungslegende der Stadtgründung lautet, dass sich 600 vor Christus die gallische Prinzessin im heutigen Marseille in einen griechischen Siedler verliebte, weshalb ihr Vater den Griechen zur Hochzeit Land schenkte. Die Provence wurde später die erste römische Provinz außerhalb Roms, von Römern unter Cäsar übernommen, später durch die Franken. Seit dem 15. Jahrhundert gehört Marseille zu Frankreich. Marseille führte eigentlich immer ein eigenes Dasein, manche haben bis heute Provenzalisch als Muttersprache.
Zur Zeit des Kolonialismus war Marseille ein wichtiger Handelshafen und erlebte dadurch seine Blütezeit. Marseille wird auch die Stadt der 111 Dörfer genannt, die mittlerweile alle eingemeindet sind. Von der Fläche her ist Marseille die größte Stadt Frankreichs. Mit dem E-Bike kann man tatsächlich ewig weit radeln. 900.000 Einwohner hat Marseille und ist damit die zweitgrößte Stadt Frankreichs nach Paris.
Hier leben viele italienischstämmige Menschen, die starke italienische Prägung bemerkt man bis heute. Außerdem gibt es zum Beispiel Eibe große algerische Gemeinde sowie eine jüdische. Alle hier lebenden Menschen vereint, dass sie sich marseillais fühlen und zurecht stolz sind auf ihr friedliches Miteinander, was man auch als Touristen direkt spürt. Die Atmosphäre ist offen und relaxed.

Stadtrundfahrt Marseille mit dem E-Bike
Jenny ist bereit für die E-Bike Tour
Stadtrundfahrt Marseille mit dem E-Bike
Blick vom Pharo-Palast auf die Altstadt

Weiter geht es zum Denkmal zur Erinnerung der im ersten Weltkrieg gefallenen französischen Soldaten aus den orientalischen Kolonien, einem symbolischen Tor in den Orient direkt am Meer. Hier erklärt uns Philip auch, was „Calanques“ bedeutet. Es sind die vielen zerfurchten Felsformationen des Nationalparks, die bis ans Meer reichen und hübsche kleine Buchten bilden, die bis ins Stadtgebiet Marseilles hineinreichen. Jetzt, an sonnigen Tagen im Herbst, genießen die Menschen die letzten warmen Sonnenstrahlen auf den Felsen. Im Nationalpark Calanques könnt ihr nicht nur wunderbar Fahrradfahren, sondern auch toll Wandern.

Wir fahren hinauf zur Basilika Notre Dame de la Garde, die im ähnlichen neobyzantinischen Stil vom selben Architekten erbaut wurde wie die gegenüberliegende Kathedrale. Die am alten Hafen gelegene Kathedrale sollte Macht nach außen demonstrieren, die Basilika Notre Dame de la Garde die Macht der Kirche nach innen. Weit mehr als für Notre Dame begeistern dich unsere Jungs allerdings für den ihr zu Füßen liegenden Sportplatz, dessen Boden das überdimensionale Konterfei des Marseiller Rappers Jul zeigt. Das kann man natürlich am besten von oben betrachten. Mit dem E-Bike ist es kein Problem, den steilen Berg hinaufzukommen. Passt nur auf mit den vielen Autos und Bussen, die sich ebenfalls die enge Straße hinaufzwängen.

Stadtrundfahrt Marseille mit dem E-Bike
Kleine Bucht mitten in Marseille
Stadtrundfahrt Marseille mit dem E-Bike
Basilika Notre Dame de la Garde
Stadtrundfahrt Marseille mit dem E-Bike
Toller Blick auf Marseille
Stadtrundfahrt Marseille mit dem E-Bike
Abfahrt zurück an die Küste

Weiter geht’s in Richtung Süden, immer die Küste entlang. Hier gibt es mehr Villenviertel, im Norden eher Arbeiterviertel, historisch gewachsen durch den Hafen. Wir halten an einem Monument zur Erinnerung an die im Zuge des Algerienkrieg nach Frankreich zurückgekehrten algerischen Franzosen im Jahr 1962.

Wir fahren durch den Park Bourely. Das Schloss war früher in Privatbesitz, heute ist es ein Museum für angewandte Kunst. Und weiter bis zum Eingang in den Nationalpark Les Calanques, wo uns schroffe Felsformationen erwarten, die kleine Buchten bilden. Die alten Fischerhütten stehen noch. Manche sind heute Cafés und Restaurants, andere kann man als Ferienunterkunft mieten.

Zurück geht es wieder die Küstenstraße entlang, am Prado Strand und den anderen Stränden vorbei. Eine tolle Tour und wir haben viel gelernt. Mit Philip hatten wir einen sehr netten und informativen Begleiter, der mit seiner Firma Sunny Side Up übrigens auch geführte Touren zu Fuß anbietet.

Stadtrundfahrt Marseille mit dem E-Bike
Bucht in der Calanques
Stadtrundfahrt Marseille mit dem E-Bike
In der Calanques

Ausflug auf die Marseille vorgelagerten Inseln

In euren City Passes könnt ihr auch eine Bootstour auf die vorgelagerten Inseln unternehmen und das solltet ihr auch unbedingt tun. Zum einen könnt ihr die winzige Insel mit dem Schloss If besuchen (es sei denn, es ist Montag, so wie heute bei uns, da hat es geschlossen). Oder direkt auf die Îles de Frioul fahren. Das sind die beiden miteinander verbundenen Inseln Île de Ratonneau und Île Pomègues. Auf der erstgenannten kommt ihr an. Wir erkunden die zweitgenannte, denn sie erscheint uns noch einsamer und uriger. Die Jungs nutzen direkt die erste Calanque, um ihre Füße ins Wasser zu lassen. Andi und ich gehen ein Stück weiter über die karge, schroffe Insel. Wir passieren den kleinen Hafen und laufen weiter bergauf bis zum Leuchtturm. Ein sehr schöner Weg ist das. Als wir die Jungs wieder eingesammelt haben und kurz vorm Hafen sind, fängt es an zu gießen und zu stürmen. Das wird nicht das einzige Mal bleiben, dass wir komplett nass werden. Nehmt euch unbedingt gute Regensachen mit, wenn ihr Marseille im Oktober besucht. Solche Regenfälle sind hier im Oktober nicht selten. Die Fähre zurück schwankt ganz schön im heftigen Wellengang. Wir sind aber froh, unter Deck ein Dach über dem Kopf zu haben und für die kurze Überfahrt von etwa 15 Minuten trocken zu bleiben.

Ausflug von Marseille nach Îles de Frioul
Château d’If
Ausflug von Marseille nach Îles de Frioul
Spaziergang auf der Insel
Ausflug von Marseille nach Îles de Frioul
Spaziergang in Richtung Leuchtturm
Ausflug von Marseille nach Îles de Frioul
Natur direkt vor Marseille

Von Notre Dame de la Garde durch Saint-Victor

Mit der kleinen Touristenbahn könnt ihr euch mit dem City Pass vom alten Hafen aus bis hinauf zur Basilika Notre Dame de la Garde kutschieren lassen. Durch das starke Unwetter fährt sie aber gerade nicht. Also nehmen wir den Bus, das geht auch. Auf unserer E-Bike Tour waren wir ja schon hier oben. Heute liegt unser Fokus auf dem Abstieg mit der Erkundung des Viertels Saint-Victor. Mittlerweile haben wir uns Regenschirme im Hotel geliehen, so dass wir nur noch von unten nass werden. In der Konditorei „Four des Navettes“ könnt ihr das typische Marseiller Gebäck, die Navettes, als Mitbringsel kaufen. Oder sie gleich selbst essen, so wie wir. Die kleinen Schiffchen schmecken ein bisschen nach Seife, finden die Jungs. Ich finde sie eigentlich ganz lecker.

Marseille und das Viertel Saint-Victor
Spaziergang im Regen
Marseille und das Viertel Saint-Victor
Gebäck aus Marseille: Navettes

Viertel Noailles und Palais Longchamps

Vom alten Hafen aus laufen wir durch das bunte, nordafrikanisch geprägte Viertel Noailles mit seinen geschäftigen Straßen und Märkten, Gewürzläden und Teestuben bis zum Palais Longchamps. Der imposante Wasserfall des herrschaftlichen Gebäudes ist ein Touristenmagnet. Henri posiert davor mit einer großen Gruppe Südkoreaner, die sich über seine Gesellschaft auf dem Gruppenfoto sehr freuen. Der Palast beherbergt verschiedene Museen. Eigentlich wollten wir uns den Schlosspark anschauen. Jedoch bleiben Palast und Park heute geschlossen, warum bleibt unklar, vielleicht noch Nachwehen der Ausschreitungen am Wochenende. Im Viertel Noailles findet ihr übrigens auch den ältesten Haushaltswarenladen Frankreichs, das „Maison Empereur“. Wenn ihr euch für Kuriositäten interessant, ein Muss. Fotos oder Videos dürft ihr allerdings nicht machen.

Marseille und Palais Longchamp
Palais Longchamp
Marseille Bahnhof
Treppe am Bahnhof

Die Entdeckung der Cosquer-Höhle

Wir hatten eine 2-stündige Bootstour entlang der Küste Marseilles geplant. Diese fällt aber buchstäblich ins Wasser. Zum Glück gibt es in Marseille auch an Regentagen genug zu tun. Wir entscheiden uns für das Museum Cosquer, das als Alternative zur Bootstour zu den Îles Frioul ebenfalls in euren City Passes inkludiert ist. Die echte Cosquer-Höhle befindet sich an der Küste etwas außerhalb von Marseille in 36 Metern Tiefe. Sie wurde 1985 durch den Taucher Henri Cosquer entdeckt und 1991 erschlossen. Eine sehr außergewöhnliche Entdeckung, denn hier wurden vielfältige Höhlenmalereien und Rauch von Feuerstätten entdeckt, sodass rekonstruiert werden konnte, dass die Höhle, die damals noch nicht unter dem Meeresspiegel lag, unseren urzeitlichen Vorfahren als eine Art heilige Stätte diente. Die Cosquer-Höhle ist hier im Museum wahnsinnig aufwändig originalgetreu nachgebaut. In kleinen Wagen werden wir durch die miteinander verbundene Höhlenlandschaft gefahren und erhalten Informationen über Kopfhörer, sogar auf Deutsch. In Filmen und durch Exponate könnt ihr noch mehr über die Entdeckung der Cosquer-Höhle erfahren. Ein einmaliges Erlebnis, vor allem in absoluter Stille durch die absolut echt wirkende Höhle zu gleiten. Fotos und Videos sind verboten, sonst wäre die Magie zerstört.

Marseille und Museum Cosquer
Museum Cosquer
Marseille und Museum Cosquer
Animation der Cosquer-Höhle

Künstlerischer Spaziergang durch Cours Julien

Cours Julien gilt als coolstes Viertel Marseilles und wenn ihr dort ankommt, versteht ihr sofort, weshalb. Für uns ist es ein 25-minütiger Morgenspaziergang dorthin, das letzte Stück geht steil bergab. Wir sind an der Metrostation Notre-Dame du Mont mit Stadtführerin Alexandra verabredet für eine zweistündige, geführte Tour durch das Viertel. Über das Touristenbüro könnt ihr die Touren über ihre Firma Artvisitprovence buchen. Cours Julien ist ein Ausgehviertel mit vielen Clubs, viele junge Menschen leben hier, jeden Mittwoch (also heute!) findet ein Wochenmarkt statt. Es gibt viele kleine Boutiquen und eine sehr große Anzahl Vintageläden. Alexandra zeigt uns das Viertel anhand von Street Art, Graffiti und weiterer Kunst im öffentlichen Raum und macht das auf interessante Art, indem sie uns immer wieder aktiv einbindet. Wir finden überall Invader Mosaike des berühmten Künstlers aus Paris. Alexandra erklärt uns, dass sich alleGraffitikünstler eine maximale Sichtbarkeit im öffentlichen Raum wünschen und mit eigenem Pseudonym unterzeichnen. Sie zeigt uns ein auffälliges Kunstwerk des Street Art Künstlers lapinthur aus Rouen, was beim Street Art Festival 2015 entstand. Er hat Fenster und Laterne der ihm zugewiesenen Wand genutzt und in sein Gemälde integriert. Wir erfahren, dass der dargestellte Riese Vincent van Gogh darstellt, deshalb auch mit Vincent unterschrieben ist. 
Viele Fassaden der Läden sind mit (bezahlter) Street Art dekoriert. Alexandra erklärt uns die
Unterscheidung zwischen Tag, Graffiti und Masterpiece und die Geschichte der Street Art, die Ende der 60er in den USA durch Kinder und Jugendliche aus den Vorstädten begann.
Aus einem Tag wird ein Flop wird schließlich ein Masterpiece, die Buchstaben werden immer größer und bunter und immer mehr zum Gemälde, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, jeder entwickelt seinen eigenen Stil wie eine Unterschrift, um wiedererkannt zu werden.  

Street Art Tour in Marseille in Cours Julien
Street Art Tour in Cours Julien
Street Art Tour in Marseille in Cours Julien
Mosaik von Invader

Die Mosaike des Künstlers Invader, die wir überall entdecken, erinnern an Pixel Space Invader Mosaike. Es gibt sogar eine Mosaik App, mit der man Mosaike in allen Städten suchen und Punkte sammeln kann. Die Mosaike sind zwar offiziell verboten, werden aber geduldet.
Alexandra zeigt uns Werte des Street Artists OBEY, der auch die gleichnamige Klamottenmarke gegründet hat. Eine kleine Straße zollt dem Künstler COFRE Tribut, der 1998 geboren wurde und im Sommer 2017 beim Sprayen in Griechenland durch einen Elektroschlag gestorben ist. Die Straße heißt in Marseille inoffiziell Cofrestraße.
In der Straße neben der Konzerthalle von Cours Julien wurden einige der Künstler, die hier aufgetreten sind, verewigt, z.B. die französische Rap Band 3ième Œil und Abel, der 2021 an COVID starb. Wir sehen ein Werk des Künstlers Mahn Kloix, der immer eine Message transportieren will, hier eine Mahnung an die gefährdete Natur, dargestellt in einem Gemälde mit einem Kampf eines Tauchers gegen eine riesige Schildkröte. 
Mittlerweile entstehen viele Kunstwerke wie Mosaike auf der Straße statt an Wänden, wahrscheinlich, weil alle Leute auf ihren Smartphones nach unten schauen. Der Künstler Ememem versteckt darin oft kleine Nachrichten, die die Leute zum Schmunzeln bringen, wie z.B. den Aufruf „Call your mother“.
Mister Cat hat hier eine Wand gestaltet. Seine Kunstwerke enthalten immer Katzen, dieses Kunstwerk ist Tribut an die Multikulturalität von Marseille, Notre Dame als Stadtheilige aller Religionen dieser kosmopolitischen Stadt, daher sind auch ein Davidstern und der muslimische Halbmond dargestellt. Das Bild ist 2015 nach den Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hebdo entstanden. 
Mademoiselle Maurice ist eine Street Art Künstlerin, die in Marseille lebt, inspiriert von Fukushima und Hiroschima, hat sie Origami-artige Kraniche in ihre Kunstwerke integriert. 
Der Rapper Le rat luciano wird an einer Wand gehuldigt, verbunden mit Werbung für sein neues Album Magma. Wer noch mehr Straßenkunst in Marseille erleben will, dem empfiehlt Alexandra die historische Seifenfabrik la Tulipe Savonnerie. 

Nach der geführten Tour könnt ihr das spannende Viertel Cours Julien noch weiter auf eigene Faust erkunden. Unsere Jungs haben sich sehr für die vielen Vintageläden interessiert.

Street Art Tour in Marseille in Cours Julien
Unterwegs zu Cours Julien
Street Art Tour in Marseille in Cours Julien
Graffiti in Cours Julien
Marseille Bahnhof
Es gibt viel zu bestaunen
Marseille Bahnhof
Mural an Hauswand

Stadiontour im Stade Vélodrome

Ein ganz besonderes Highlight für Jugendliche und alle Fußballfans ist eine Tour durch das Marseiller Stadion Stade Vélodrome. Mit über 67.000 Sitzplätzen ist es das größte Stadion eines Vereins in Frankreich. Größer ist nur das Nationalstadion in Paris. Die Architektur ist sehr außergewöhnlich, man sieht das Stadion, das im 8. Bezirk Marseilles liegt, von überall aus schon von Weitem. Der Blick hinter die Kulissen ist auch für Menschen wie mich, die keine ausgewiesenen Fußballfans sind, interessant. Wir streunen durch Umkleiden, Pressebereich, vorbei an Siegerpodesten und Massageliegen, nehmen auf den Rängen der riesigen Tribüne Platz und auf der Ersatzbank. Nur auf den Rasen dürfen wir nicht.

Stade Velódrome von Olympique Marseille
Stade Velódrome
Stade Velódrome von Olympique Marseille
Imposantes Stadion von Olympique Marseille

Besuch der vertikalen Stadt Cité Radieuse

Ganz in der Nähe des Stadions, gut zu Fuß zu erreichen, liegt die Cité Radieuse, eine Art vertikale Stadt, die in den 50er Jahren im Bauhausstil vom Architekten le Corbusier entworfen wurde. In dem 9-stöckigen Gebäude befinden sich neben vielen Wohneinheiten auch einige öffentlich zugängliche Bereiche, die ihr nach Anmeldung vor Ort an der Rezeption im Erdgeschoss besichtigen könnt. Im dritten und vierten Stock findet ihr Hotel, Cafés, Bibliothek. Das Gebäude beinhaltet sogar eine eigene Schule. Auch die Dachterrasse dürft ihr besuchen. Von hier aus habt ihr einen gigantischen Blick über ganz Marseille. Fotos und Videos dürft ihr in der Cité Radieuse aus Respekt vor den hier lebenden Menschen allerdings nicht machen.

Die vertikale Stadt Cité Radieuse in Marseille
Die vertikale Stadt Cité Radieuse

Essen in Marseille: Unsere Tipps für Restaurants und Cafés

In Marseille gehört gutes Essen für uns zum Städtetrip dazu. Durch die Nähe zum Meer stehen oft Fisch und Meeresfrüchte auf der Karte. Aber auch für ein ordentlich belegtes Baguette oder ein Stück Kuchen zwischendurch finden wir schöne Adressen. Wir haben uns durch verschiedene Viertel gegessen und dabei einige Restaurants und Cafés entdeckt, die wir euch für mittags und abends empfehlen können.

Restaurants und Kulinarik in Frankreich in Marseille
Leckere und schöne Restaurants
Restaurants und Kulinarik in Frankreich in Marseille
Mittagessen in der Rooftop-Bar
Restaurants und Kulinarik in Frankreich in Marseille
Abendessen in Marseille
Restaurants und Kulinarik in Frankreich in Marseille
Sehr leckeres Essen

Ich hoffe, ihr habt einen guten Eindruck gewonnen, wie ihr einen Städtetrip nach Marseille mit Teenagern angehen könnt. Es ist für alle was dabei, in und um Marseille, bei Sonne und bei Regen und sogar im Ausnahmezustand. Wir sind jedenfalls sehr begeistert von der Stadt und den dort lebenden Menschen.

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