Ecuador mit der Familie entdecken
1. Teil: Von Quito über Otavalo bis in den Amazonas
Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Djoser entstanden.
Ecuador ist für uns absolutes Neuland. Umso aufregender, in 21 Tagen durch das Festland und auch auf die Galapagosinseln zu reisen. Wir haben dieses vielfältige Land, von den Anden über den Regenwald bis hin zur einzigartigen Inselwelt in einer 14-köpfigen Reisegruppe mit Djoser Family erkundet und sind sehr begeistert. Hier berichten wir vom ersten Teil unserer Reise: Von der Anreise und Ankunft in Quito, von der Reise durch die Anden und ein paar unvergesslichen Tagen mitten im Regenwald.
Endlich Sommerferien! Für NRW-Verhältnisse extrem spät. Umso mehr hat sich unsere Vorfreude auf unsere diesjährige große Sommerreise gesteigert. Diesmal geht es für uns in gänzlich unbekanntes Terrain. Wir reisen nach Südamerika, genauer gesagt machen wir eine 21-tägige Rundreise durch Ecuador und auf die Galapagosinseln. Das machen wir nicht alleine, sondern in einer überschaubaren Familienreisegruppe organisiert von Djoser Family Reisen, mit denen wir im letzten Jahr schon sehr positive Erfahrungen auf unserer Rundreise durch Südafrika gesammelt haben.
Hier nehmen wir euch mit auf die Rundreise und berichten Tag für Tag. Bevor wir aber damit starten, erst einmal ein paar Tipps zur Reisevorbereitung.
Vor der Reise nach Ecuador
Ihr müsst euch eigentlich um gar nichts kümmern, da Djoser Family alles für euch organisiert, inklusive Packliste und Tipps für Reiseimpfungen. Neben den Grundimpfungen haben wir uns gegen Dengue und Gelbfieber impfen lassen und Tabletten zur Malariaprophylaxe mitgenommen und vor Ort genommen. Klamotten haben wir für unterschiedliche klimatische Bedingungen gepackt, da wir sowohl in den Anden als auch an der Küste, im Amazonasgebiet und auf den Galapagosinseln unterwegs waren.
Anreise nach Ecuador
Djoser Family Reisen arbeitet ausschließlich mit renommierten Fluggesellschaften zusammen. Nach Quito fliegen wir mit der niederländischen KLM von Frankfurt über Amsterdam Schiphol. KLM steht für Koninklijke Luchtvaart Maatschappij und wurde bereits am 7. Oktober 1919 gegründet. Damit ist KLM die älteste noch unter ihrem ursprünglichen Namen tätige Fluggesellschaft der Welt.
Da unser Flug in Frankfurt bereits morgens um 7 Uhr startet, reisen wir am Vorabend mit der Bahn an und übernachten in einem Hotel am Flughafen. Eine besonders lange Nacht wird das natürlich nicht, aber so sparen wir uns zumindest den nächtlichen Anreisestress von Köln nach Frankfurt.
Tag 1: Flug und Einreise
Wir starten pünktlich in Frankfurt und auch der Umstieg in Amsterdam klappt problemlos. Mit der niederländischen Fluggesellschaft KLM geht es für uns anschließend in der Economy Comfort weiter nach Quito. Der zusätzliche Platz ist auf dem knapp zwölfstündigen Flug wirklich angenehm und macht einen deutlichen Unterschied.
Das Essen ist sehr lecker, der Service äußerst freundlich und so vergeht die lange Flugzeit tatsächlich ziemlich schnell. Genug Zeit, das erste mitgebrachte Buch in Ruhe durchzulesen und trotzdem noch kleine Schlaf- und Essenspausen einzulegen, bleibt natürlich trotzdem.Das Essen ist sehr lecker, der Service äußerst freundlich und so vergehen die knapp 12 Stunden Flug wirklich schnell. Genug Zeit, das erste mitgebrachte Buch in Ruhe durchzulesen und trotzdem noch kleine Schlaf- und Essenspausen einzulegen, hatte ich dennoch.
Wir fliegen tagsüber und landen mit 7 Stunden Zeitverschiebung um 15 Uhr Ortszeit in Quito.
KLM Economy Comfort
Wer mit KLM in der Economy Class fliegt, kann je nach Buchung einen Economy-Comfort-Sitzplatz zusätzlich reservieren. Die Plätze liegen direkt hinter der Premium Comfort Class und bieten 10 Zentimeter mehr Beinfreiheitsowie eine 4 bis 5 Zentimeter weiter nach hinten verstellbare Rückenlehne. Ein kleines Upgrade, das sich auf einem langen Flug nach Ecuador durchaus bemerkbar macht. [Werbung]
Die Einreise klappt schnell und ohne Probleme, auf unser Gepäck müssen wir nicht lange warten. Und dann werden wir per Shuttlebus in unser Hotel gebracht. Die anderen Mitreisenden haben wir inzwischen schon alle kennengelernt. Ein paar Infos zur Gruppe hatten wir in der Djoser Family App schon vorab. So wussten wir, dass außer und noch drei weitere Familien mitreisen mit Kindern im Alter von 8 bis 17 Jahren. Insgesamt sind wir 7 Erwachsene und 7 Kinder. Wir zu viert, eine junge Großmutter mit ihrem Enkel, eine dreiköpfige und eine fünfköpfige Familie.
Das Hotel Ikala Quito ist schön und die Zimmer angenehm. Die Jungs sind direkt neben uns untergebracht. Zwar haben wir keinen schlimmen Jetlag, aber fit sind wir auch nicht gerade. So schlendern Andi und ich nur ein bisschen durch die Gegend, holen Geld (die Währung in Ecuador ist seit einigen Jahren der US Dollar) und Wasser in einem der vielen kleinen Läden in Hotelnähe. Abends essen wir alle gemeinsam im Hotel, schon um 18 Uhr, weil sich alle aufs Bett und eine lange Nacht freuen, um etwas Schlaf nachzuholen.
Tag 2: Wir erkunden Quito
Da wir so früh ins Bett gegangen sind (so gegen 20 Uhr), fällt es uns auch nicht schwer, einigermaßen früh aufzustehen. Das Frühstücksbuffet ist sehr lecker und beinhaltet viele landestypische Früchte wie Papayas und Drachenfrucht.
Um 8 Uhr treffen wir unsere Reiseleiterin Jessica, die als Au Pair in der Nähe von Freiburg sehr gut deutsch gelernt hat. Vielleicht sind ihr das Sprachtalent und die Reiseleiterkunst auch in die Wiege gelegt worden. Ihr Vater war auch schon internationaler Reiseleiter und hat sie und ihren Bruder auf Touren manchmal mitgenommen. Sie erklärt uns einiges über die Reise, insbesondere über die letzte Reisewoche auf den Galapagosinseln, auf die sie selbst nicht mitreisen wird. Für manche besondere Ausflüge wie Tauch- oder Schnorchelaktivitäten müssen wir uns frühzeitig anmelden.
Um 9:15 Uhr lernen wir auch unseren Busfahrer Edgar kennen, der uns auf dem Festland ebenfalls begleiten wird. Unsere erste Busreise mit Jessica und ihm ist nicht weit. Heute erkunden wir Quito, mit einer Höhe von etwa 2850 Metern die höchstgelegene Hauptstadt der Welt. Die Stadt hat offiziell nur 1,6 Millionen Einwohner, erscheint aber viel größer. Das mag auch an der Besonderheit liegen, dass sie sich über eine Länge von 70 Kilometern erstreckt, dabei aber bloß 4 Kilometer breit ist.
Als erstes steuern wir den Berg „El Panecillo“ (übersetzt das Brötchen) an, der der perfekte Aussichtspunkt ist, um sich einen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Das Monument der Jungfrau von Quito ist mit einer imposanten Höhe von 41 Metern größer als Cristo-Statue in Rio de Janeiro. Von hier aus blickt man nicht nur über die Stadt mit ihrer gegenüberliegenden Kathedrale, sondern auch auf die nahegelegenen Vulkane. Zum Beispiel erkennt man vom Panecillo aus sehr gut den Vulkan Cotopaxi. Er ist der höchstgelegene aktive Vulkan der Welt mit 5897 Metern Höhe, schneebedeckt.
Der Panecillo ist also eine perfekte Einstimmung auf Ecuadors Hauptstadt Quito, deren Altstadt wir nun aber auch von Nahem erleben wollen. Dafür eignet sich ein Altstadtspaziergang.
Mit dem Bus drängen wir uns durch dichten Verkehr und enge Altstadtgassen bis zur Kathedrale Basílica del Voto Nacional, die wir vom Panecillo aus von Weitem schon gut erkennen konnten. Sie ist im neugotischen Stil gebaut, man sieht zum Beispiel wasserspeiende Tiere aus Ecuador auf der Fassade, innen hat sie 24 Kapellen mit je einer Jungfrau für alle Provinzen des Landes. Im Eintrittspreis ist die Besteigung ihrer Türme mit enthalten, von denen man ebenfalls einen wahnsinnig guten Blick über die Stadt und nun andersherum auf die Jungfrau von Quito hat.
Mit unserem Altstadtspaziergang beginnen wir auf der Plaza Grande mit dem Unabhängigkeitsmonument von 1809. Hier stehen auch der Präsidentenpalast mit der riesigen Nationalflagge, das älteste Hotel von Quito, das Rathaus und eine weitere Kathedrale. Auf dem Platz treffen sich Einheimische und Touristen, Händler bieten ihre Waren an, Musik wird gespielt und es ist richtig viel los.
Tag 3: Weiterreise zum Äquator und weiter nach Otavalo
Heute geht es weiter in Richtung Norden. Aufgrund der Feiertage zur Unabhängigkeit Ecuadors ist der Verkehr ziemlich dicht.
Unser Ziel ist das Intiñan Äquator Museum. Hier haben wir eine Führung mit Xavier, der uns nicht nur viel Interessantes erklärt, sondern mithilfe verschiedener Experimente auch selbst ausprobieren lässt. Wir balancieren ein rohes Ei auf einem Nagel, was auf dem Äquator problemlos möglich ist. Wer das geschafft hat, kann sich nicht nur ein Zertifikat ausstellen lassen, sondern sich sogar auch einen Stempel in den Reisepass geben lassen.
Wir stellen uns alle nach der Größe auf dem Äquator auf und versuchen, mit geschlossenen Augen darauf zu balancieren - unmöglich. Und was ist dran an dem Mythos, dass Wasser auf der einen Seite des Äquators in die eine, auf der anderen Seite in die andere Richtung abfließt, zum Beispiel in der Toilettenspülung? Es stimmt! Xavier beweist es uns.
Am Ende zeigt er uns noch einige heimische Tiere, lebende und ausgestopfte. Auf dem grünen Gartengelände flattern überall Kolibris herum. Wir besuchen Lamas und Meerschweinchen im Stall, besichtigen die Hütte der ehemaligen Bewohnerin und lernen etwas über den König und die Königin des Amazonasgebiets (Jaguar und Anaconda). Und hütet euch bloß vor dem sogenannten Penisfisch! Pinkelt hier niemals in den Fluss, denn das lockt ihn an und das wollt ihr nicht. Auch über kriegerische Techniken der indigenen Bevölkerung erfahren wir etwas. Das Museum hat auch den Kindern sehr gut gefallen. Und in Flüsse pinkelt ab jetzt niemand mehr.
Nur gut 200 Meter entfernt vom echten Äquator befindet sich das Monument Mitad del Mundo. Früher dachte man, dass der Äquator, also die Mitte der Welt, hier verlaufe, bis man es durch Nachmessungen genauer wusste.
Wir fahren weiter in die Stadt Otavalo. Hier herrscht vor allem jetzt, rund um den Nationalfeiertag zur Unabhängigkeit Ecuadors am 10. August, ein buntes Treiben. Wir checken nur kurz in unserer Unterkunft für die nächsten zwei Tage, dem Hotel El Geranio, ein. Dann stürzen wir uns mitten ins Leben auf den Poncho Markt der Stadt, wo Händlerinnen und Händler ihre bunten Web- und Wollwaren anbieten, nicht nur Ponchos, sondern auch Hosen, Blusen, Schals, Tischdecken, hübsche Souvenirs wir gehäkelte Lama-Schlüsselanhänger und Portemonnaies. Auch viele Früchte, Säfte, Backwaren und Süßigkeiten werden überall an kleinen Ständen und auf hölzernen Anhängern und Schubkarren verkauft. Es macht richtig Spaß, sich auf dem Markt einfach treiben zu lassen.
Nun folgt ein kleiner Ausflug in Eigenregie. Auf Empfehlung Jessicas wollen wir uns den Wasserfall Cascada Pechuge anschauen. Dafür nehmen wir uns ein Taxi zu viert und zu dritt. Das könnt ihr hier ohne Probleme selbst organisieren und es werden auch keine utopischen Touripreise dafür abgerufen. Die holprige, etwa 10-minütige Fahrt kostet 2,50 Dollar hin und 3 Dollar zurück.
Der Eintritt zum Wald, in dem sich der Wasserfall befindet, kostet nur 50 Cent pro Person. Wir gehen einen kurzen Weg durchs Grüne (Mückenschutz nicht vergessen!). Den Wasserfall hören wir schon von Weitem. Mit unglaublicher Kraft fällt er 30 Meter tief.
Im Taxi zurück (ihr müsst vor dem Eingang zum Wasserfall einfach kurz warten, bis eins kommt) plaudern wir noch ein bisschen über den WM Sieg Ecuadors über Deutschland mit dem Taxifahrer, ziehen uns nur kurz um und gehen dann gemeinsam mit der Gruppe um die Ecke zum Abendessen. So ganz haben wir uns immer noch nicht an die Zeitverschiebung gewöhnt und passen unseren Rhythmus auch der früh, schon gegen 18 Uhr, untergehenden Sonne an. Wir gehen um 18 Uhr zum Essen und legen uns gegen 20 Uhr schon schlafen. Herrlich! Wir sind schon total entspannt und voll im Urlaubsmodus.
Tag 4: Indigene Kultur und Wandern im Nationalpark Cotacachi Cayapas
Wir frühstücken um 7:30 Uhr im Hotel und brechen pünktlich um 8:30 Ihr auf. Mittlerweile befinden wir uns weit im Norden Ecuadors, zur Grenze nach Kolumbien ist es nicht mehr weit.
Als wir in unseren Bus einsteigen, steigen zwei Frauen und ein Mädchen in traditioneller Tracht mit ein. Begegnungen mit Einheimischen sind bei Djoser Reisen immer mit im Programm und sehr interessant, da wir so aus erster Hand etwas über die Kultur der indigenen Kichwa erfahren. Zunächst erklären sie uns ihre Tracht, die sie nicht nur zu besonderen Anlässen, sondern tagtäglich tragen. Auch drei Kichwa Lieder singen sie uns vor. Danach zeigen sie uns ihre Waren, deren Einnahmen in ein Frauenprojekt fließen. Die Schals aus Baumwolle und Alpakawolle sind sehr schön und natürlich kaufen wir gerne etwas. Fotos von den dreien in ihren hübschen Trachten dürfen wir auch machen.
Auf unserer Fahrt haben einen fantastischen Blick auf den Cayambe Vulkan, der mit Schnee bedeckt auf 5.790 Meter Höhe thront. Wir sind auf dem Weg zum Meerschweinchenkratersee im Nationalpark Cotacachi Cayapas.
Daher hat der See seinen Namen: Zum einen wurden auf den beiden direkt nebeneinander liegenden Inseln des Sees vor langer Zeit Meerschweinchen ausgesetzt. Zum anderen sehen die beiden Inseln in der Mitte des Sees mit etwas Fantasie aus wie ein Meerschweinchen. Der See, der offiziell Regenbogenkratersee heißt (Laguna de Cuicocha) ist durch Vulkanimplosion entstanden. Über einen unterirdischen Fluss ist er mit dem Pazifik verbunden. Ein Beweis dafür: Es wurde einmal ein Betrunkener Taxifahrer im See geborgen, sein Taxi jedoch am Pazifik. Der See ist bis zu 200 Meter tief, das Wasser hat nur 8 Grad. Im Nationalpark leben viele Tiere, darunter Brillenbären, einer soll hier gerade in der Nähe unterwegs sein.
Man kann vom Eingang zum Nationalpark aus einen Rundweg wandern, der einmal komplett am Kraterrand entfernt verläuft. Da wir noch nicht so ganz an die Höhe gewöhnt sind, entscheiden wir uns für die Variante, mit einen Pickup auf die Höhe hinaufzufahren und von dort aus den Rundweg weiterzugehen. Dann sind es noch ungefähr 9 Kilometer und eine sehr schöne Strecke, immer mit Blick auf den See und die Vulkane im Hintergrund. Jessica zeigt uns viele einheimische Pflanzen. Auch Blaubeeren wachsen am Wegesrand. Sie schmecken hier viel herber als bei uns. Es geht auf und ab, durch üppige Vegetation. An einer Stelle weht der Wind sehr heftig. Auch durch einen kleinen Kiefernwald gelangen wir. Die Kinder sind schon vorgelaufen. Unterwegs begegnen uns viele Einheimische, die uns alle sehr freundlich begrüßen. Nach drei Stunden sind wir wieder am Ausgangspunkt angelangt. Hier kann man sich in einem Informationszentrum über den Nationalpark informieren und sich an einer der Buden am See ein Eis holen, was wir natürlich auch tun.
Danach machen wir noch einen Abstecher in das nahe Städtchen Cotacachi das für deine Lederwaren bekannt ist. Wir sind allerdings zu kaputt zum Shoppen und entscheiden uns, mit der gesamten Gruppe in ein von Jessica empfohlenes Café einzukehren und dort einen Eiskaffee zu trinken.
In unserem Hotel El Geranio haben wir am Nachmittag noch etwas Zeit, bevor wir zusammen mit der gesamten Gruppe um die Ecke in einer Taverne essen gehen. Die Kinder haben sich mittlerweile gut zusammengefunden und spielen im Garten des Hotels gemeinsam Fußball, Basketball und üben Handstände.
Tag 5: Heiße Quellen im Bergnebelwald und Ankunft in Tena
Nach einem frühen, leckeren Frühstück im Hotel El Geranio nehmen wir wieder auf unseren Stammplätzen im Bus Platz und lassen uns von Fahrer Edgar wieder in Richtung Süden kutschieren.
Wir passieren die Stadt Cayambe, die für ihre besonderen Bizcocho (Kekse) bekannt ist. Hier machen wir einen kurzen Fotostopp auf dem Äquator. Bei einem weiteren Aussichtspunkt haben wir ein Riesenglück, dass die Luft so klar und der Himmel so blau ist, sodass man alle umliegenden Vulkane sieht. Auf etwa 3600 Metern Höhe halten wir kurz, um nach der Brillenbärfamilie, die hier in der Gegend zuhause ist, Ausschau zu halten, sehen sie aber nicht. Wir passieren den Cijos Pass auf 4063 Metern Höhe, genau auf der Grenze der beiden Provinzen Napo und Pinchincha.
Bald erreichen wir die heißen Quellen von Papallacta, wo heute, am Feiertag, einiges los ist. Bei 34 - 38 Grad baden wir mit vielen anderen, hauptsächlich Einheimischen, in verschiedenen Becken, um uns herum der Bergnebelwald inmitten der Anden. Um uns herum die schönsten Blumen auf herumflatternde Kolibris.
Danach haben alle Hunger und wir kehren in das Restaurant Gina ein, dessen Spezialität Regenbogenforelle ist. Sehr lecker und ein uriges Restaurant.
Gegen 17 Uhr kommen wir in unserer Unterkunft, der Terra Luna Lodge, an, außerhalb der Stadt Tena mitten im Regenwald gelegen. Es ist ziemlich warm und wir springen erstmal in den Pool. Es ist wunderschön, hier der Musik des Regenwalds zu lauschen.
Tag 6: Immer tiefer in den Regenwald
Nach einer entspannten Nacht in den breiten, bequemen Betten der Terra Luna Lodge ziehen wir zum ersten Mal unsere Regenponchos über. Es hat die halbe Nacht gegossen. Regenwald eben. Nach dem Frühstück, auch hier mit leckeren, frischen Früchten, brechen wir um 8 Uhr auf, um vom Rande des Amazonasgebiets mitten hinein zu reisen.
Wir queren den Fluss Napo und folgen einer Schotterpiste. Am Ufer des Flusses erhalten wir Gummistiefel und steigen auf zwei Boote um. Unser Gepäck haben wir im Bus gelassen. Mit den Booten steuern wir den AmaZOOnico an, wo wir von unserer deutschsprachigen Guide in Empfang genommen werden.
AmaZOOnico ist explizit kein Zoo, wie der Name vermuten lassen könnte, sondern eine Auffangstation für Tiere, die aus unterschiedlichen Gründen hier landen. Manche wurden als Haustiere gehalten, bis sie ausgewachsen waren und ihre Besitzer:innen gemerkt haben, dass sie nicht mehr süß, sondern wilde Tiere sind. Andere stammen aus Zoos, wo sie unter widrigen Bedingungen gehalten wurden oder sie wurden bei Wilderern beschlagnahmt.
Seit 1993 wurden hier etwa 3000 Tiere aufgenommen, wovon ungefähr die Hälfte wieder ausgewildert wurde, was das vornehmliche Ziel der Auffangstation ist. In vielen Fällen ist das aber nicht mehr möglich, vor allem, wenn die Tiere bereits lange in Gefangenschaft gelebt haben, Vögel nicht mehr fliegen können oder Wildtiere nicht mehr jagen.
Wir sehen Aras und andere Papageienarten. Aras binden sich ein Leben lang und können sehr alt werden, sogar über 80. Sie sind sehr romantische Vögel, die an gebrochenem Herzen sterben können, wenn ihr Partnervogel stirbt.
Wir passieren ein Becken mit einem überfütterten Kaiman, der in einem Hotel als Attraktion gehalten wurde. Den sehen wir zwar nicht, aber dafür schaut der Kopf seiner Partnerin, die sich freiwillig hierher begeben hat, aus dem Wasser heraus. Nasenbären, die als Haustiere gehalten wurden, zumindest so lange, bis sie ausgewachsen waren. Drei Tapire,
Kapuzineraffen aus dem Zoo, die dort unter schlechten Bedingungen lebten, Wildschweine, Tukane und einen Wollaffen.
Während unseres Besuchs der Tierauffangstation fängt es heftig an zu gießen. Zum Glück habe ich meinen Regenponcho dabei. Kalt ist es ja nicht, man wird nur einfach nass. So ist das im Regenwald.
Danach setzen wir mit unseren Booten über auf die andere Seite des Flusses Napo. Dort sind wir zum traditionellen Mittagessen bei einer Kichwa Familie zu Gast. Der im Bananenblatt gegarte Victoriabarsch schmeckt hervorragend.
Dann geht es weiter flussabwärts auf unseren Booten. Guide Chichico zeigt uns die Kunst des Goldwaschens. Wir finden sogar ein paar kleine Partikelchen. Zum Reichwerden reicht es leider nicht.
Nun folgt eine ganz besondere Aktivität. Auf den Dächern der Boote lagern Tubes (Schläuchen von LKW-Reifen), mit denen wir nun in See beziehungsweise in den Fluss Napo stechen. Was für ein Spaß!
Unsere Unterkunft für die nächsten zwei Tage, die Yacuma Eco Lodge, liegt tief im Regenwald. Mit Fokus auf Nachhaltigkeit und ökologische Projekte bietet die Lodge 12 Doppelholzhäuser an. Der perfekte Ort zum Entspannen, Abschalten und Genießen der Natur mitten im Regenwald. Zu Abend wird gemeinsam im Restaurant ein sehr leckeres Menu gegessen. Dazu werden wir mit einem Muschelhorn gerufen.
Tag 7: Wandern und viele andere Aktivitäten im Regenwald
Wir frühstücken sehr lecker im Restauranthaus und brechen anschließend zu einer Regenwaldwanderung mit Guide Chichico auf. Er zeigt uns die hiesige Pflanzen- und Tierwelt. Yacuma ist die Blüte der falschen Bananenpflanze. Die Wedel von Strohpalmen nutzen die Kichwa als Regen- und Sonnenschutz. Sogar Dächer werden damit gedeckt. Die Wedel halten auch Insekten ab. Aus den Stielen kann man Seile machen und sogar Kleidung. Wir probieren es aus. Der Drachenblutbaum dient als Medizinbaum, dessen Saft gegen Halsschmerzen und Mückenstiche hilft. Auch diese Paste probieren wir direkt aus.
Wir lernen auch etwas über Kommunikation im Urwald: Dreimal mit einem großen Quarz an die Wurzel eines Baumes klopfen, wenn man Hilfe braucht. Im dichten Regenwald verliert man schnell die Orientierung. Auch Spinnennetze könnt ihr in einem solchen Fall zur Orientierung nutzen. Die allermeiste Zeit weht der Wind von Osten und damit auch das Spinnennetz. Ansonsten sollte man sich immer am Flusslauf orientieren.
Wir stoppen für einen kleinen Regenwaldsnack und probieren Zitronenameisen, die wirklich lecker zitronig schmecken.
Chichico zeigt uns Mineralsteine in den Farben schwarz, weiß und rot. In diesem Nebenfluss des Napo wurden antike Reste von Keramik gefunden. Lehm wird an den Rändern der Nebenflüsse gewonnen. Wir finden einen ecuadorianischen Frosch, der sehr giftig ist, auf der Oberseite gut getarnt, unten ganz blau.
Das Holz der sogenannten Laufenden Palme wird zum Häuserbau genutzt. Sie heißen so, weil sie immer Sonnenlicht brauchen und sich mit ihren Wurzeln dorthin bewegen. Die Wurzeln haben Stacheln, die als Maniokreibe benutzt werden.
Außerdem zeigt uns Chichico noch den bekannten Nationalbaum Chinin, dessen Blatt als Medizinprodukt gegen Malaria helfen soll.
Zurück in der Yacuma Eco Lodge, stellen wir unsere eigene Schokolade her aus getrockneten Kakaobohnen auf dem Lagerfeuer der Feuerstelle. Die Kakaobohnen werden 20 Minuten auf dem Feuer geröstet, bis man ein Poppen wie bei der Herstellung von Popcorn hört. Wie man heute weiß, stammen Kakaobohnen nicht ursprünglich aus Mexiko, wie man lange dachte, sondern auch Ecuador.
Wir schälen die noch warmen Kakaobohnen und mahlen sie anschließend. Minga heißt Zusammenarbeit in Kichwa und ist überlebenswichtig. Mit heißem Wasser vermischt, dürfen wir die Kakaomasse probieren. Ganz schön bitter! Wir fügen noch ein paar Löffel braunen Zucker hinzu und essen die noch warme Schokolade mit frischen Früchten. Unser eigenes Regenwald-Schokoladenfondue!
Zum Mittagessen werden wir wie zu jeder Mahlzeit mit dem Muschelhorn gerufen. Gemeinsam sitzen wir alle an zwei langen Tischen und essen das frisch zubereitete Menu. Mh!
Nach einer Siesta waten wir in unseren Gummistiefeln durch den Fluss und eine Kochbananenplantage. Chichico zeigt uns auch Maniokfrüchte.
Wir besuchen eine traditionelle Kichwahütte, eine runde Hütte, mit Bambus und Stroh gedeckt. In der Hütte wird auch Feuer gemacht, um zu kochen, Keramik herzustellen, Moskitos zu vertreiben und um sich gegen Kälte zu schützen. Das traditionelle Essen der Kichwa ist Pollo, also Hühnchen. Mama Estela zeigt uns, wie sie auf traditionelle Weise Keramik herstellt, vom Formen mit den Händen und Zähnen bis zum Trocknen, Brennen, Färben und Polieren der Schalen mit Quarzen. Natürlich kaufen wir auch ein hübsches Schälchen als Andenken.
Danach lernen wir, wie man ein traditionelles Chicha Getränk herstellt, nämlich aus gekochtem, geriebenem und fermentiertem Maniok, was leicht vergoren schmeckt und etwas Alkohol enthält. Schmeckt eigentlich ganz lecker. Wozu wir uns nicht überwinden können, ist rohe Chontacuro (Maden) zu probieren.
Mit dem Boot fahren wir zu einer versteckten Lagune, wo wir Tiere beobachten. Durch das Fernrohr, das Chichico mitgebracht hat, beobachten wir einen Schneckenbussard und einen sogenannten Stinkvogel. Beim Piranhafischen vom Boot aus haben wir nicht so viel Glück. Der 10-Jährige aus unserer Gruppe fängt aber direkt einen. Dieser wird ihm am Abend in unserer Lodge zusätzlich zum Abendessen serviert. Großzügig lässt er uns alle probieren. Schmeckt wirklich gut!
Nach dem Abendessen machen wir noch eine kleine Nachtwanderung um die Lodge herum, um die nachtaktiven Tiere beobachten zu können. Ohne Taschenlampe wäre man hier komplett aufgeschmissen, es ist wirklich stockfinster. Wenn ich mal nachts im Regenwald übernachten müsste, wäre ich mir allerdings nicht sicher, ob ich alles sehen wollte an Tieren, die hier unterwegs sind, und das sind viele. Vogelspinnen, Giftfrösche, Skorpione und Wasserschlangen, um nur ein paar davon zu nennen. Die großen Jungs gruseln sich ganz schön.
Zum Abschluss dieses langen und ereignisreichen Tages hat uns Jessica noch eine Überraschung am Lagerfeuer in der Yacuma Eco Lodge versprochen. Wir verabschieden uns auf traditionelle Kichwa- Weise und sie danken uns mit typischem Zimttee (auf Wunsch mit Zuckerrohrschnaps), Musik und Tanz. Danach schlafen wir wie die Babys.
Wie wir nach diesen einmaligen Tagen mitten im Regenwald weitergereist sind durch Ecuador, erfahrt ihr bald im zweiten Teil unseres Reiseberichts.
Jetzt reinhören: Familienreise durch Ecuador
Im Podcast nehmen wir euch mit auf unsere Familienreise durch Ecuador und erzählen von unseren Erlebnissen unterwegs. Von Quito und dem Äquator über Otavalo und Cotacachi bis zum Kratersee Cuicocha und weiter ins Amazonasgebiet. Wir berichten von der Reise mit Djoser Family, besonderen Erlebnissen und unseren Erfahrungen beim Reisen durch Ecuador mit Kindern und Teenagern.
Ihr wollt mehr über unsere Ecuador-Rundreise als Familie erfahren? Dann hört in die Folge rein und begleitet uns akustisch auf unserer Reise durch eines der vielseitigsten Länder Südamerikas.
Hier Folge auf Spotify anhören.
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