06.09.2016 08:35
von Andi
(Kommentare: 9)
Japan mit Campervan

Mit dem Campervan durch Japan reisen

Ein ungewöhnlicher Roadtrip

Roadtrip durch Japan im Campervan mit Kindern

Unsere Leidenschaft für Japan hat sich über Jahre entwickelt. Vielleicht entstand sie damals 2001 in Wien, als Jenny und ich uns in ein Sushi-Restaurant verirrten und ganz angetan von der für uns bis dahin unbekannten Küche waren. Vielleicht liegt es auch an den Murakami-Büchern, die ich fast alle gelesen habe und die auf wunderbare Weise die Menschen und das Land mit all seinen Normen, aber auch Originalität und Verrücktheit beschreiben. Und auch nach unserer diesjährigen Reise sind wir von diesem Land fasziniert und begeistert, auch wenn für uns einiges fremd und unverständlich geblieben ist.

Vor neun Jahren, in der Zeit vor den Kindern, waren wir für eine Woche in Tokio und entdeckten diese tolle Stadt. Schon damals entstand der Wunsch, mehr von dem Land zu sehen und eine Rundreise zu unternehmen. Und das sollte nun endlich diesen Sommer zusammen mit unseren Jungs auf einem Roadtrip geschehen. Ursprünglich war geplant, mit einem Mietwagen auf Tour zu gehen und in Hotels oder Ferienwohnungen unterzukommen. Doch dann berichteten unsere Reiseblogger-Kollegen von Weltwunderer von ihrer letztjährigen Reise nach Japan. Mit ihren drei Kindern war die Familie in einem Campervan unterwegs. Was für eine tolle Idee! Diese Möglichkeit hatten wir gar nicht in Betracht gezogen, zumal es doch eine eher außergewöhnliche Art für eine Japanreise ist. Schnell war uns aber klar, dass genau das unser Ding ist. Jetzt nur noch schnell Flüge buchen, Camper reservieren und los geht´s!

Anreise

Nachdem wir uns eine Übersicht über die besten Flugverbindungen gemacht haben, buchen wir bei Japan Airlines (lesenswert: der schön gemachte Online-Japan-Guide von JAL) von Düsseldorf über Helsinki nach Tokio. Für die Fahrt von Köln nach Düsseldorf mieten wir uns einen DriveNow-Wagen, den wir am Flughafen wieder abgeben können. Ein angenehmer Service, der uns pro Fahrt 35 € kostet. Die Flüge werden von Finnair durchgeführt und sind mit einer Stunde Aufenthalt in Helsinki wegen der Nordroute nur minimal länger als Direktflüge aus Deutschland. Mit Finnair fliegen wir zum ersten Mal und sind mit der Ausstattung und dem Service sehr zufrieden, zumal wir mit dem günstigen Flugpreis auch unwissentlich Premium Economy mit viel Beinfreiheit gebucht haben.

Angenehmer Flug mit Finnair
Angenehmer Flug mit Finnair

Einen Campervan in Japan mieten

Es gibt nicht viele Anbieter, die in Japan Wohnmobile vermieten. Aber dank des Tipps der Weltwunderer haben wir mit Japan Campers genau den richtigen gefunden, hier mieten wir unseren Camper.
Andre und Maciek leben bereits seit 20 bzw. 10 Jahren in Japan. Vor vier Jahren sind die gebürtigen Polen auf die bis dahin ungewöhnliche Idee gekommen, Campervans zu vermieten. So etwas gab es bis dahin kaum in Japan und für Touristen schon mal gar nicht. Und der Erfolg gibt ihnen recht, mittlerweile besteht die Flotte aus über 20 Fahrzeugen verschiedenster Größen.

Wir haben uns für den Mazda Bongo entschieden, einem Van mittlerer Größe, mit dem man problemlos in den engen, japanischen Städten fahren und den in schmalen Parktaschen parken kann. Zudem ist der Bongo mit einem ausklappbaren Dach ausgestattet, so dass wir zu viert genügend Platz zum Schlafen haben.
Der Wagen ist kompakt, reicht für uns aber allemal. Trotz der überschaubaren Größe ist er mit Kühlbox, Kocher, Geschirr, Schlafsäcken, Campingstühlen und Tisch und vielem mehr bestens ausgestattet. Und ganz wichtig: Das iPad, das mit jedem Mietfahrzeug von Japan Campers zur Verfügung gestellt wird. Mit dessen Hilfe und dem kostenlosen WiFi an Bord navigieren wir uns ganz bequem mit Google Maps durch das Land, finden die richtigen Routen, Supermärkte oder Tankstellen. Zahlreiche weitere praktische Apps erleichtern das tägliche Leben und helfen uns bei der Suche nach Stellplätzen und Onsen (japanische Badehäuser) oder lassen uns einfach mit Japan Campers oder mit anderen Mietern kommunizieren.

Mazda Bongo von Japan Campers
Unser Mazda Bongo

Mieten wir in anderen Ländern ein Fahrzeug, so reicht in der Regel der deutsche oder aber der internationale Führerschein. Nicht aber in Japan, da kann es etwas komplizierter werden. 
Es gibt zwei verschiedene Abkommen zur Regelung des Kraftfahrzeugverkehrs: Das Genfer Abkommen von 1949, dem sich Japan und viele weitere asiatische und amerikanische Staaten angeschlossen haben und das Wiener Abkommen von 1968, dem Deutschland und die meisten europäischen Staaten angehören. Die ausgestellten internationalen Führerscheine werden von der jeweils anderen Gruppe nicht akzeptiert, so dass ich mir für Japan erstmal eine japanische Übersetzung meines Führerscheins besorgen muss. Das ist ein nerviges Prozedere und geht im voraus nur postalisch oder vor Ort in Japan. Zum Glück bietet Japan Campers für 50 € einen Übersetzungsservice an und erspart mir so mächtig Stress. So schicke ich meinen eingescannten Führerschein per Mail ein paar Wochen vor unserer Reise rüber und nehme bei der Übergabe des Wagens auch bequem die japanische Übersetzung entgegen.

Ein weiterer toller Service von Japan Campers für Langzeitmieter ist eine kostenlose Übernachtung in der Wohnung über dem Büro. Das ist für uns tatsächlich super praktisch, da unser Rückflug schon am frühen Morgen losgeht. So können wir am Vortag ganz in Ruhe die Übergabe machen und unsere Sachen zusammenpacken und dann am nächsten Morgen frisch geduscht die Rückreise antreten.

Auf den Straßen Japans

Das Autofahren in Japan ist sehr angenehm und viel unkomplizierter als man es sich vielleicht vorstellt. Eine kleine Herausforderung stellt der Linksverkehr dar, aber daran gewöhnt man sich schnell. Ich habe bereits einige Erfahrung mit dem Fahren auf der anderen Seite und bin nach wenigen Kilometern gut daran gewöhnt. Wobei ich dann doch öfters mal statt des Blinkers den Scheibenwischer anschalte, das passiert mir auch nach drei Wochen noch.

Die Geschwindigkeitsbegrenzungen betragen zwischen 30 und 50 km/h in ländlichen Gebieten und in Ortschaften und 80 - 100 km/h auf den Autobahnen. Dadurch entsteht ein entspannter Verkehrsfluss ohne Hektik oder großartiges Rasen. Die Japaner fahren größtenteils entspannt, zurückhaltend und durchaus höflich. Gerne wird für andere gehalten, diese vorgelassen oder einfach nur Rücksicht genommen. Bei diesem Fahrverhalten fällt das seltene Gegenteil, auf das wir auch hin und wieder treffen, wesentlich stärker auf. In Japan gibt es eine große Tuning-Szene und so manch jugendlichem Bubi gehen in seinem aufgemotzen Toyota mit Spoiler und Flammenaufklebern gerne mal die Gäule durch. Innovative und waghalsige Manöver, die wir durch entspanntes Fahren und Gelassenheit souverän kontern.

Dank der englischen Beschilderung und unseres iPads mit Google Maps ist das Navigieren und die Orientierung auf den japanischen Straßen eigentlich ein Kinderspiel. Einzig bei ein paar Autobahnkreuzen, an denen sich die japanischen Autobahnbauer einmal kreativ austoben konnten, muss man sich konzentrieren und darauf achten, auch wirklich die richtige Ausfahrt auf der korrekten Ebene zu erwischen.

Roadtrip durch Japan im Campervan
Kreatives Autobahnkreuz 1
Roadtrip durch Japan im Camper
Kreatives Autobahnkreuz 2

Nicht nur bei der Planung von Autobahnkreuzen sind die Japaner kreativ. Auf mancher Autobahn wird nachts eine Lightshow abgefeiert, die sich wirklich zeigen kann. Rot und Blau blinken die Lampen entlang der Fahrbahn auf, erzeugen Muster und Lichterfolgen, so dass ich bei dem Anblick direkt vom Gas in den Sicherheitsmodus gehe. Dabei wird nur eine in 2 Kilometern kommende leichte Rechtskurve angekündigt. Oder es ist einfach nur Dekoration.
Originell sind auch die angelegten Fahrbahnrillen auf einer Zufahrtsstraße zum Fuji. Man kennt das ja, dass Rillen beim Befahren laute Geräusche machen, zum Beispiel, wenn man von der Fahrbahn abkommt. Hier aber ertönt auf gut 500 Metern Länge eine Melodie, quasi mit den Reifen erstellt. Das haben wir so auch noch nie erlebt.

Grundsätzlich kommt man in Japan ganz gut voran, auch weil die Entfernungen meist nicht allzu groß sind. Dennoch kann eine Fahrt über Land deutlich länger dauern als über die gebührenpflichtige Autobahn. Beide Straßentypen haben ihre Vor- und Nachteile. Auf den Landstraßen, auf denen man auch mal längere Zeit hinter einem sehr langsamen Lastwagen hängen bleiben kann, geht es sehr gemächlich zu. So können wir die Landschaft genießen, kleine, urige Ortschaften passieren und an Stellen halten, die wir sonst nicht auf der Karte markiert hätten. Haben wir aber ein etwas weiter entferntes Etappenziel vor Augen, so nehmen wir die Autobahn, auf der wir deutlich schneller vorankommen. Allerdings hat das auch seinen Preis und wir zahlen an manchen Tagen bis zu 50 € an Mautgebühren.

Ebenfalls teuer und demnach auch nervig sind Parkplätze. In Städten, an Stränden oder in der Nähe von Sehenswürdigkeiten sind die Parkgebühren unglaublich hoch. Auch wenn wir teilweise nur kurz halten oder 1-2 Stunden vor Ort bleiben wollen, müssen wir mit Kosten bis 20 € rechnen. Da lohnt es sich schon mal drei Blocks weiterzufahren, um wenigstens die Hälfte zu zahlen. Kleinere Taktungen gibt es auch, hier haben wir allerdings auch schon Angebote von 5 € für 20 Minuten gesehen. Für das Parken sollte man also ein kleines Budget oder weitere Fußwege einplanen.

Unterwegs im Campervan

Einmal unterwegs gewöhnen wir uns recht schnell an das Leben auf der Straße und genießen es. Jeder Tag, den wir unterwegs sind, ist anders und beschert uns faszinierende Erlebnisse und manche Überraschung.

Japan im Sommer ist grundsätzlich erstmal warm, meist um die 30 Grad. Wenn also morgens früh die Sonne aufgeht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die im Dachzelt Schlafenden melden, weil es ihnen einfach zu heiß wird. Wir machen uns fertig und frühstücken. Die Zutaten wie Müsli und Milch oder Milchbrötchen mit süßer Bohnenpaste und Kaffee haben wir uns meist am Vorabend besorgt bzw. kaufen uns welchen in einem Konbini, einen fast an jeder Ecke befindlichen Convenience Store wie Seven Eleven oder Family Mart.

Roadtrip durch Japan im Campervan mit Kind
Frühstück im Schatten des Bongos

Gegen 9:30 sind wir wieder auf der Piste. Im Vorfeld der Reise haben wir uns Orte und Sehenswürdigkeiten herausgesucht, die wir gerne besuchen möchten. Daraus ergibt sich ganz grob eine Route, der wir nachfahren, die wir aber unterwegs permanent anpassen und abändern. Auch streichen wir einige Programmpunkte und nehmen neue hinzu.
Den Vormittag lassen wir meist gemütlich angehen und steuern entspannt unser gewünschtes Ziel für die erste Tageshälfte an. Das kann ein Strand sein, an dem wir schwimmen und uns erfrischen können, ein Bummel durch eine Stadt oder der Besuch einer Tempelanlage. Die Temperaturen sind noch erträglich, wobei es gegen Mittag schon sehr warm wird. Für den Weg dorthin wählen wir gerne die Landstraße, auf der wir langsam entlangtuckern. So können wir spontan anhalten, wenn wir irgendwo ein interessantes Hinweisschild auf eine Sehenswürdigkeit oder einfach nur eine schöne Landschaft entdecken.
Mittags steuern wir oft einen Konbini an, wo es immer leckere Snacks wie Onigiri (gewürzte Reisbällchen), Hühnchenspieße oder leckere Bento-Boxen frisch zubereitet gibt. Für das Mittagessen suchen wir uns ein schattiges Plätzchen bevor es dann über die Mittagszeit im klimatisierten Van zum nächsten Ziel geht.

Haben wir ein zweites Ziel eingeplant, so versuchen wir, dieses bis zum späten Nachmittag zu erreichen. Damit wir zügiger vorankommen, wählen wir nun häufig die Autobahn. Nach der Ankunft stehen wir anfangs immer etwas verwundert vor verschlossenen Türen, da Sehenswürdigkeiten mit Eintritt gerne gegen 16:30 schließen. Seltsam, dabei empfinden wir diese Tageszeit als besonders angenehm, die Hitze nimmt ab und das Licht der langsam untergehenden Sonne ist schön anzusehen. Dann erkennen wir aber schnell die Vorteile. Die Japaner sind Frühaufsteher. Gerne beginnt ein Strandtag oder der Stadtbummel schon um 8:00 morgens. Dafür ist dann um 17:00 so gut wie überall Feierabend. Und dann kommen wir! Tagsüber sind teilweise schon viele Einheimische und Touristen unterwegs, bei einigen Hotspots kann es da schon ziemlich voll werden. Aber spätestens nach 17:00 sind viele Orte fast menschenleer und wir sind mit ein paar wenigen anderen oft die einzigen Besucher. Dann können wir ganz in Ruhe durch schnuckelige Städtchen spazieren, Parks mit Burgen oder Tempeln anschauen oder schöne Strände und Landschaften genießen. Klar, Museen oder Gebäude mit Eintritt haben dann geschlossen, aber das passt schon, wir können eh nicht alles anschauen. Bestimmte Highlights wie zum Beispiel die Burg in Himeji steuern wir zeitlich so an, dass wir sie noch besichtigen können.

Matsumoto Castle Japan Roadtrip Campervan
Alleine an der Burg in Matsumoto
Strand in Japan Roadtrip Campervan
Strand vor 16:30
Strand in Japan mit Camper
Strand nach 16:30

Es dämmert, Zeit für´s Abendessen. Dann kommt Google Maps wieder zum Einsatz, das uns zielsicher zum nächsten Supermarkt führt. Ganz selten gehen wir in ein Restaurant, zu praktisch ist für uns mit den Kindern der Besuch im Supermarkt. Hier gibt es eine riesige Auswahl an frisch zubereiteten Speisen: Sushi, Sashimi, Salate, Suppen, Tempura, frittierter Fisch oder Fleischspieße. Ab 18:00 werden die Gerichte teilweise bis zu 50% reduziert, dann fühlen wir uns wie im Schlaraffenland. Haben wir uns anfangs abends noch Cup Noodles, für die wir auf unserem Kocher nur ein wenig Wasser erhitzen müssen, zubereitet, verzichten wir später weitestgehend auf das Selbstkochen. Zu lecker schmeckt es aus dem Supermarkt.

Sushi im Supermarkt Japan Roadtrip Campervan
Heute mal Sushi
Abendessen aus dem Supermarkt Japan Roadtrip Campervan
Große Auswahl für´s Abendessen

Übernachten im Campervan

Die Sonne geht zügig unter, um 19 Uhr kann es schon richtig dunkel sein. Nun gilt es, einen Platz für die Nacht zu finden. Das Tolle ist, dass man sich in Japan fast überall mit dem Campervan hinstellen und übernachten kann. Es gibt über das gesamte Land verteilt Park- und Rastplätze mit mehr als sauberen Toiletten, die sich hervorragend zum Übernachten eignen und auch noch kostenlos sind. 
Da wir meist in der Dunkelheit unseren Übernachtungsplatz ansteuern, legen wir nicht ganz so viel Wert auf eine idyllische Atmosphäre oder einen schönen Ausblick. So landen wir fast immer auf einem Michi-no-Eki, Raststätten an Landstraßen. Mit Hilfe einer eigenen App finden wir immer schnell einen Michi-no-Eki in der Nähe. Sie erfreuen sich in Japan größter Beliebtheit und ständig werden neue eröffnet. Für Reisende wie uns sind sie auch mehr als praktisch. Es gibt ausreichend Parkplätze, saubere öffentliche Toiletten, Automaten für die Verpflegung und Restaurants und Läden, die allerdings - oh Wunder - um 17:00 schließen. Oft gibt es Aufenthaltsräume, kostenloses WiFi und Informationen über regionale Sehenswürdigkeiten und lokale Aktivitäten. Aber man darf sich nichts vormachen, ein Michi-no-Eki ist und bleibt ein Rastplatz. Auch wenn einige abseits großer Straßen landschaftlich schön gelegen sind, wir stellen den Wagen in Parktaschen auf einem Parkplatz ab. Das ist für uns in Ordnung, denn wir sehen es praktisch. Wir kommen abends an, übernachten und machen uns am nächsten Morgen wieder auf den Weg. Hier finden wir alles, was wir benötigen und das reicht uns. Es gibt häufig sogar Multifunktionstoiletten, die in einem eigenen Raum neben dem Klo auch noch eine Dusche  bzw. einen Duschschlauch und ein großes Waschbecken bereit halten. So können wir uns morgens immerhin noch waschen und frisch machen. Gibt es keine guten Waschmöglichkeiten (was eigentlich nie der Fall war) oder wollen wir es uns mal richtig gut gehen lassen, so besuchen wir ein Onsen. Die Bäder mit den heißen Quellen sind ebenfalls so gut wie an jeder Ecke in Japan zu finden und sind eine schöne Abwechslung zu öffentlichen Toiletten und Duschen.

Parkplatz Japan Roadtrip Campervan
Übernachtung mit Meerblick
Michi-no-Eki Japan Roadtrip Campervan
Michi-no-Eki am Kawaguchi-See
Autobahnraststätte Japan Roadtrip Campervan
Autobahnraststätte

Kommen wir früher an unserem Ziel an, haben wir noch etwas Zeit, die Gegend zu erkunden und nach einem schöneren Schlafplatz Ausschau zu halten. Und die gibt es auch. Öffentliche Parkplätze an Stränden, Aussichtspunkten oder an Parks bieten ebenfalls saubere Toiletten und gute Übernachtungsvoraussetzungen in etwas schönerer Umgebung.

Aber der schönste Übernachtungsplatz kann schnell ungemütlich werden, wenn Übernachtungsnachbarn erscheinen. In Japan ist es üblich, im Auto zu übernachten. Und manchmal ist das auch ein wenig schräg, wenn man morgens beobachtet, wie aus dem mittelgroßen Nachbarauto zuerst die Eltern, dann die drei Kinder und zuletzt noch die Oma herausklettern. Und alle sehen ganz frisch und munter aus, was nicht zuletzt daran liegt, dass die ganze Nacht der Motor lief, damit die Klimaanlage für angenehme Schlaftemperaturen sorgt. Auch das ist üblich und nervt uns ungemein. Zum einen sorgt das nachts für einen gewissen Lärmpegel, zum anderen entsteht auf so einem Parkplatz einiges an Abgasen.

Campingplätze soll es in Japan übrigens auch geben. Wir haben keinen gesehen oder besser gesagt aufgesucht. Sicherlich kann man auf ihnen vielleicht mal auf einem Fleckchen Natur parken, jedoch sind diese erstmal recht teuer, kaum vorhanden und angeblich nicht annähernd so gut ausgestattet wie die kostenlosen Rastplätze.

Zweimal haben wir dann auch auf richtigen Autobahnraststätten übernachtet. Gerade abends kommt man auf den Autobahnen sehr gut vorwärts und die Mautgebühren sind teilweise rabattiert. So habe ich manchmal noch ein wenig in die Nacht fahren wollen, um am nächsten Tag eher am Ziel zu sein. Und auch hier lässt sich problemos übernachten. Die Infrastruktur ist perfekt und die Sanitäranlagen sind fast besser und moderner als in so manchem Hotel.

Japan im Campervan: Unser Fazit

Das gibt es tatsächlich noch, das exotische Abenteuer, von dem viele träumen. Anders als man vielleicht denkt kann man dies in Japan erleben. Denn ein Roadtrip im Campervan durch Japan ist tatsächlich ein kleines Abenteuer, das man in mitten einer Kultur erlebt, die höchst interessant und ziemlich anders ist als unsere. Aber keine Sorge, es ist alles einfacher und unkomplizierter als man denkt und man kommt schnell gut zurecht.

An sich ist eine Reise nach Japan schon eine spannende Sache. Auf einer Rundreise mit dem Campervan hat man aber die Möglichkeit, das Land noch intensiver kennenzulernen. Wir fahren einfach drauflos, tauchen in das Land ein und können frei entscheiden wann wir wo sein wollen, wann wir bleiben oder wann wir weiterfahren wollen. Wir können die bekannten Sehenswürdigkeiten besuchen, entdecken unterwegs aber auch viele Kleinigkeiten, auf den ersten Blick vielleicht unspektakuläre Orte, die erst beim Verweilen ihren Charme zeigen.
Wir nehmen ein wenig am Alltag der Japaner teil. Wir schlafen neben ihnen auf den Michi-no-Ekis, kommen mit dem ein oder anderen ins Gespräch, wir gehen im Supermarkt einkaufen, waschen in Waschsalons unsere Klamotten (eine Herausforderung bei japanischen Waschautomaten!) und kommen auch in abgelegeneren Regionen vorbei, die nicht so viele Touristen zu Gesicht bekommen.

Fuji Japan Roadtrip Campervan mit Familie
Am Fuji: Stellplatz im Nebel
Michi-no-Eki Mihara Japan Roadtrip Campervan
Michi-no-Eki in Mihara

Das Leben im Campervan in Japan ist einfach und einiges muss improvisiert werden. Aber es ist auch günstig. Mit unserem Van haben wir ein Fortbewegungsmittel und eine Unterkunft in einem. Und beides kann in Japan zu hohen Kostenfaktoren werden. Sicherlich gibt es schönere Stellplätze, als die asphaltierten Parkplätze, aber so läuft es nunmal in Japan. Und genau das macht es für uns reizvoll. Wir lernen und erleben viel unterwegs. Und am Ende sagen wir uns: "Japan hat richtig viel Spaß gemacht und wir kommen gerne wieder!"

Wo wir überall in Japan unterwegs waren erfahrt Ihr in dem Artikel Roadtrip durch Japan: Unsere Route. Es gibt auch einen kleinen Roadmovie, den Ihr in dem Post Japan mit Kindern und Campervan anschauen könnt.

Link-Tipp

Wer Lust bekommen hat, auch im Campervan Japan zu entdecken, dem können wir Japan Campers wärmstens empfehlen. Davon mal abgesehen, dass sie fast der einzige englischsprachige Anbieter sind, ist der Service und das Angebot wirklich gut und individuell - von der Übersetzung des Führerschein angefangen bis zum kostenlosen Übernachtung im Appartement. Viele nützliche Apps auf dem iPad und kostenloses WiFi erleichtern das Reisen. Der Firmensitz in Narita City ist sowohl von Tokio (40 Minuten Zugfahrt) als auch vom Flughafen Narita (10 Minuten Zugfahrt) gut zu erreichen.
Und grüßt Andre und Maciek von uns! ;-)

www.japancampers.com

Link-Tipp

Unsere Reiseblogger-Kollegen von Weltwunderer haben uns auf die Idee gebracht, den Campervan als Transportmittel und Unterkunft für unsere Japanreise zu wählen. Hier könnt Ihr lesen, welches Fazit sie am Ende ihrer Reise ziehen (es ähnelt sehr unserer Meinung!).
Auf Weltreiseforum.com hat Jenny Menzel von Weltwunderer zudem noch einen schönen Artikel über das Reisen mit Wohnmobil in Japan veröffentlicht.

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Kommentar von Jenny |

Perfekt zusammengefasst - alles, was man wissen muss :-) Ich würde mich ja so freuen, wenn sich das noch mehr herumspricht, wie wahnsinnig toll und einfach zu bereisen Japan für Familien ist!

Als nächstes erzählt ihr hoffentlich mehr über eure Route, da bin ich schon sehr gespannt drauf!

LG
Jenny

___________________

Antwort von Andi

Hi Jenny,

danke nochmal für den genialen Tipp, wir wären da nie drauf gekommen! Genau, als nächstes erzählen wir über unsere Route, in in Arbeit ;-)

Viele Grüße,
Andi

Kommentar von Alena |

Mutig, diese Reise mit 2 Kindern zu unternehmen! Euer Bericht zerstreut aber alle Bedenken und macht unglaublich neugierig.
Eure vielen nützlichen Informationen und Tipps sind toll! Die findet man in keinem Reiseführer.
Alena

___________________

Antwort von Andi

Hallo Alena,

da muss man gar nicht so mutig sein, sondern Japan nur als wirklich gute Option für eine Familienreise auf dem Schirm haben.

Viele Grüße,
Andi

Kommentar von Ines |

Auf Japan wäre ich ehrlich gesagt auch nicht gekommen, klingt auf jeden Fall spannend. Habe Euch ja schon auf Instagram gestalked ;-), tolle Bilder, die neugierig machen.
Liebe Grüße, Ines

___________________

Antwort von Andi

Japan ist wirklich ein tolles Land, auch weil es teilweise etwas fremd ist. Aber hochspannend.
Weitere Berichte folgen... ;-)
Viele Grüße,
Andreas

Kommentar von Planet Hibbel |

Hahaha. Im Ernst? Da klettert ne ganze Familie samt Omma ausm Kombi und hat dadrin bei laufendem Motor übernachtet? Das ist echt schräg. Ich hab die Reise ja auch schon bei Jenny verfolgt und finde das super. Eigentlich wäre das auch voll unser Ding, wenn da nicht der doch sehr enge Van für vier Personen wäre. Das schreckt mich doch ein bisschen ab, denn da würde ich wahrscheinlich 3 Wochen kein Auge zumachen. Wenns die Dinger also mal ne winzige Nummer größer gibt, würden wir das auch sofort machen. LG umme Ecke, Nadine

___________________

Antwort von Andi

Jetzt stellen Sie sich mal nicht so an, Frau Hibbel! War alles halb so wild... ;-) Es gibt aber tatsächlich auch größere Modelle mit etwas mehr Komfort, mit denen wärst du dann King of the Road (oder Queen)! Das Ding sieht auf jeden Fall lustig aus: http://www.japancampers.com/motorhome.html 
Viele Grüße, Andi

Kommentar von Jenny |

Uaah, die nächtelang laufenden Motoren haben uns manchmal auch sehr genervt - vor allem, wenn abends um 23 Uhr ein Brummifahrer direkt hinter uns einparkte. Da parkste dann schon noch mal um! ;-)

___________________

Antwort von Andi

Oh ja, wir mussten auch öfters mal umparken ;-)

Kommentar von Alena |

Eben haben wir erst das tolle video entdeckt! Sehr gut gemacht!
Alena

___________________

Antwort von Andi

Danke, Alena. Aber das richtig tolle Video kommt in den nächsten Tagen ;-)

Kommentar von Sonja |

Hallo Andi und Jenny,
toller Bericht. Klingt sehr spannend und regt zum Nachahmen an.
Ihr müsst uns alle Details mal persönlich berichten.

LG Knacki

___________________

Antwort von Andi

Hi Knacky,
ja, das machen wir gerne bei nächster Gelegenheit ;-)
Viele Grüße,
Andi

Kommentar von Roxi |

Hallo!
Ich wollte mal fragen welche Monate ihr als Reisezeit für den Roadtrip empfehlen würdet? :)
Beste Grüße!
Roxi

___________________

Antwort von Andi

Hallo Roxi,
wir waren im Juli/August in Japan unterwegs. Die Temperaturen lagen immer um die 30 Grad und wir kamen damit gut zurecht. Allerdings waren es in Kyoto ca. 38 Grad, was den Stadtbummel sehr schweißtreibend machte - wir haben ihn dann abgekürzt. Ansonsten waren die Temperaturen super, um auch ein wenig Strandurlaub machen zu können.
Angenehmer soll es im Frühling und Herbst sein. Wir haben wirklich die heißesten Monate erwischt. Ich denke Mai/Juni und September sind wesentlich angenehmer.
Viele Grüße,
Andi

Kommentar von Sylvie |

Hallihallo,
bei uns hat sich die Idee verfestigt im Sommer 2018 mit unseren Jungs, dann 6 und 9, Japan zu erkunden. Und dabei bin ich nun auf euren Bericht gestoßen der mich sehr inspiriert und neugierig macht. Abhängig von Schulferien werden wohl auch wir im Juli/ August fahren. Werden 3 Wochen reichen? Lust auf Abenteuer mit dem Camper hat der Bericht gemacht und Zweifel zerstreut! Vielen Dank!
Liebe Grüße, Sylvie

___________________

Antwort von Andi

Hallo Sylvie,
danke für dein Feedback. Wie cool, dass ihr auch eine Reise im Camper durch Japan plant. Das Reisen im Campervan ist in Japan viel einfacher, als man es sich im Vorfeld denkt. Von daher viel Spaß bei der Planung. Wenn ihr bei Japan Campers frühzeitig bucht, gibt´s übrigens einen Frühbucherrabatt. Grüßt die Jungs gerne mal von uns ;-) Wie waren auch im Juli / August wegen der Schulferien dort. Es ist zwar hier und da recht warm, aber wir sind damit gut klar gekommen. Und die drei Wochen haben uns vollkommen gereicht. Du kannst dir ja mal die Route anschauen, die wir in der Zeit gefahren sind. Da haben wir schon sehr viel sehen und uns auch mal zwischendurch ein wenig am Strand entspannen können.
Wenn du noch Fragen hast, melde dich einfach.
Viele Grüße, Andi

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