28.01.2016 09:52
von Andi
(Kommentare: 4)
Ferien auf Malta

Ein Tag in Valletta

Spaziergang durch Maltas Hauptstadt

Valletta Malta

Über eine einsame Küstenstraße machen wir uns auf den Weg Richtung Süden. Hier und da mal ein Baum, ein Haus, etwas felsige Küste, ruhig geht es südlich von unserem Wohnort Buggiba zu. Absolutes Highlight dieser relativ unattraktiven Strecke ist eine Bauruine, an der ein großes Graffiti mit dem berühmten Indianerkopf der Cleveland Indians angepinselt worden ist. Die Stimmung auf der Rückbank unseres Autos steigt beim Anblick dieses künstlerischen Leckerbissens. "Indianer!!!" Manchmal reichen die einfachen Dinge, um die Jugend bei Laune zu halten. Wobei wir den kulturellen Part unseres heutigen Ausflugs ja noch vor uns haben. An unserem ersten Tag auf Malta und dem letzten Tag des Jahres wollen wir die Hauptstadt Valletta besuchen.

Das erste Mal wurde ich auf Valletta Ende der 80er Jahre aufmerksam. Wobei ich damals die Stadt eher auf die fußballerischen Leistungen des ortsansässigen FC Valletta reduziert habe. Als krasser Außenseiter kassierte der Hauptstadtclub Jahr für Jahr derbe Niederlagen im Europapokal, trat jedoch immer wieder motiviert und selbstbewusst an - um erneut in der ersten Runde zu scheitern.

Es wird voller auf der Straße. Wir nähern uns dem Inner and Outer Harbour. In dieser Region befinden sich verschiedene Städte, die sich entlang der Naturhäfen an der Ostküste entwickelt haben und mittlerweile fließend ineinander übergehen. Hier lebt mit 200.000 Einwohnern mehr als die Hälfte der gesamten Landesbevölkerung. 9.000 davon leben in Valletta, dem Zentrum dieser Region. Valletta ist somit die Hauptstadt mit der geringsten Einwohnerzahl innerhalb der EU.

Über eigenwillige Straßenkonstruktionen, Brücken und Tunnel nähern wir uns langsam unserem Ziel. Die gesamte Stadt ist von einer imposanten Festungsanlage umgeben, die nur für Anwohner mit dem Wagen passierbar ist. Wir parken auf einem öffentlichen Parkplatz in Floriana in unmittelbarere Nähe des Tritonnenbrunnens. Von hier führt eine Brücke über einen tiefen Graben durch das moderne City Gate in die Stadt.

Valletta Malta
City Gate: Bitte eintreten

Wir gelangen auf die Republic Street, die vom City Gate durch Valletta führt und am Fort St. Elmo endet. Durch die üppige Weihnachtsdekoration werden wir daran erinnert, dass die Feiertage erst wenige Tage zurück liegen. Es ist bewölkt, aber durchaus mild, so dass bei uns kein rechtes Weihnachtsfeeling mehr aufkommen kann. Daran ändert auch die Dauerbeschallung mit Klassikern wie "Last Christmas" nichts.

Schon nach wenigen Metern wird uns klar, dass Valletta als Gesamtheit schon eine Sehenswürdigkeit ist und zu Recht seit 1980 zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Zahlreiche Paläste, Kirchen und prunkvolle Gebäude mit Verzierungen, Balkonen oder Heiligenstatuen versetzen uns zurück in die Zeit der Johanniterritter.

Malta und seine Ritter, das ist eine Kombination, die noch heute das Stadtbild Vallettas prägt, denn die kühnen Herren zeigen immer noch Präsenz, wenn auch nur noch als Schaufensterpuppen oder in skurillen Varianten in den Souvenirshops der Stadt. Die echten Ritter des Johanniterordens flüchteten im Jahr 1530 nach Malta und errichteten Befestigungsanlagen am Hafen, um sich gegen die Osmanen zur Wehr zu setzen. Als ein Angriff 1565 nach einer sechs Monate andauernden Schlacht erfolgreich abgewehrt worden war, siedelten sich die Ritter fest auf der Insel an, errichteten Valletta und erbauten zahlreiche weitere Städte.

Valletta Malta
Wir freuen uns auf 2016

Wie auf einem Weihnachtsmarkt säumen kleine Buden die Plätze an der Republic Street. Glühwein ist hier anscheinend sehr beliebt, bei dem milden Klima ist das aber nichts für uns. Stattdessen halten wir an einem Stand, der wunderbare Kekse mit mächtig viel Schokolade und Malteserkugeln verkauft. Nicht ganz günstig, wer hier aber einfach vorbeigehen kann, dem gebührt mein Respekt. Wir können es jedenfalls nicht und schlagen zu.

Valletta Malta
Befestigungsanlage
Valletta Malta
Maltesische Plätzchen

Erster offizieller Programmpunkt unserer Valletta-Tour ist die St. John’s Co-Kathedrale, die ehemalige Konventskirche der Ritter. Denen muss es so schlecht nicht gegangen sein, wenn man sich das prunkvolle Innere anschaut: Kunstvollste Verzierungen, Ornamente, Gemälde sowie Gold als die dominante Farbe. Vom Hauptschiff aus gehen zahlreiche Kapellen mit Altarbildern ab, die verschiedenen Heiligen gewidmet sind. Das Oratorium beherbergt das berühmte Meisterwerk „Die Enthauptung Johannes des Täufers“ von Caravaggio aus dem 17. Jahrhundert. Gegenüber und etwas kleiner finden wir Caravaggios "Hieronymus". An dieser Stelle sind unsere Jungs wieder hellwach, denn der Reiseführer verrät höchst Spannendes.1984 wurde das Bild gestohlen, was zu großem Grübeln bei uns führt. Wie konnte so ein großes Bild nur aus der Kirche gestohlen werden? Gut drei Jahre später ist es glücklicherweise wieder aufgetaucht und kann daher heute bewundert werden.

Valletta Malta
St. John's Co-Cathedral
Valletta Malta
Ornamente in der Kathedrale
Malta Valletta
St. John's Co-Cathedral
Malta Valletta
Kapelle in der St. John's Co-Cathedral

Über die Merchants Street geht es nun für uns weiter Richtung Meer. Wie der Name vermuten lässt, sind etliche Marktstände auf der Straße aufgebaut, die allerlei praktische und unpraktische Sachen verkaufen. 
Etwas Abwechslung in das in Beigetönen gehaltene Straßenbild bringen die knallig roten Telefonzellen, die stark an England erinnern und an vielen Straßenecken stehen.

Valletta Malta
Britischer Einfluss

Bei der St. Lazarus Bastion treffen wir auf die Festungsmauern und das Meer. Eine schmale Treppe führt zu einem urigen Felsenstrand, der von den Touristen offensichtlich übersehen wird. Wir setzen uns zwischen ein paar Fischerbooten auf ein Mäuerchen und machen eine kurze Pause.

Valletta Malta
Fischerhütten
Valletta Malta
Fischerboote
Valletta Malta
Fischerboote am Grand Harbour

Vorbei am War Memorial, zu dessen Füßen sich ein kleiner Kinderspielplatz befindet, der selbstverständlich getestet und für gut befunden wird, geht es zum Lower Baracca Garden. In dem kleinen, mit Palmen und Olivenbäumen bepflanzten Park wurde in Gedenken an den ersten Inselkommandanten, Sir Alexander Ball, ein kleiner Tempel im dorischen Stil errichtet. Unterhalb des Parks befindet sich der Fischmarkt, dessen Hauptgebäude früher als Quarantänestation diente.

Sowohl vom War Memorial als auch vom Lower Baracca Garden hat man einen schönen Blick über den Naturhafen auf die gegenüberliegenden "Three Cities". Die drei mittelalterlichen Städte Cospicua, Vittoriosa und Senglea liegen gegenüber von Valetta auf Landzungen und an schönen Buchten, die als Jachthafen genutzt werden.

Valletta Malta
Spielplatzcheck
Valletta Malta
Lower Barrakka Gardens
Valletta Malta
Naturhafen Grand Harbour

An einer Straßenecke steht ein Vogelkäfig auf einem Stuhl. Darin sitzt eine kleine Schleiereule. Ganz kurz überlege ich, ob ich nicht einfach den Käfig öffnen und dem schönen Vogel seine Freiheit schenken soll, lasse es dann aber doch bleiben. Tatsächlich sehen wir in den kommenden Tagen mehrfach Eulen, die in Käfigen oder an Leinen gehalten werden. Die Eule im Käfig wird von den Jungs zum Anlass genommen, um über das Thema Haustier zu diskutieren. Ein leidiges Thema, das sich nicht unbedingt mit unserer Reiselust kombinieren lässt. Immerhin sind die beiden so tief im Gespräch mit uns vertieft, dass sie den Rückweg ohne großes Murren meistern. Und das, obwohl es immer wieder bergauf und bergab geht und wir über Treppen und Brücken marschieren. Da Valletta auf einem großen Felsen, dem Mount Sceberras errichtet worden ist, geht es hier entsprechend hügelig zu.

Valletta Malta
Treppe rauf in Valletta
Valletta Malta
Vallettas Gassen
Valletta Malta
Straßenschluchten und Fußgängerbrücken

Kurz bevor wir die Stadt wieder durch das City Gate verlassen, erreichen wir einen weiteren Aussichtspunkt, den Upper Barakka Garden. Die Parkanlage ist in die Festungsanalage integriert und bietet ebenfalls einen wunderbaren Blick auf die "Three Cities". Jeden Tag um 12 Uhr wird hier die Saluting Battery mit Kanonen abgefeuert. Dies diente ursprünglich den Seefahrern zur Bestimmung der Mittagshöhe auf dem Sextanten, heute sind die Kanonenschüsse eher ein Showelement für die Touristen.

Valletta Malta
Upper Barakka Garden
Valletta Malta
Upper Barakka Garden mit Blick auf die "Three Cities"

Valletta hat uns einen eindrucksvollen Jahresabschluss beschert. Diese wunderbare kleine Stadt mit ihrer einzigartigen Atmosphäre, den prunkvollen Gebäuden, den hellen Farbtönen ist ein Ort, an dem die Zeit fast stehengeblieben zu sein scheint.
Es fängt ein wenig an zu regnen. Wir sitzen im Auto und fahren zurück in unsere Touristenenklave. Das nächste Mal wohnen wir direkt in Valletta, das wäre was. Der Verkehr wird weniger je weiter wir die Stadt hinter uns lassen. Es dämmert, die Jungs sind erschöpft und freuen sich auf das Hotel. "Indianer!" ertönt es plötzlich von hinten. Unser Ausflug endet wie er begann, mit dem kulturellen Highlight Maltas überhaupt.

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Kommentar von R |

Malta stand bei uns nie auf der Liste der Wunschziele in Europa -- bis jetzt! Euer Bericht und die tollen Fotos wecken wirklich großes Interesse, da doch mal hinzufahren.Vielen Dank!
Rita und Kai

Kommentar von Philipp |

Hallo Jenny und Andi,
schöner Bericht mit tollen Fotos.
An diese Telefonzelle kann ich mich gut erinnern :)
Ich war auch nur einen Tag in der Stadt.
Schade, gibt interessante Orte dort.
Der Hafen ist traumhaft.
Safe travels,
Philipp

___________________

Antwort von Andi

Hallo Philipp,
danke dir! Ich hoffe, du warst aber insgesamt was länger auf Malta... Ich würde gerne mal ein paar Tage in Valletta verbringen und dort auch übernachten. Beim nächsten Mal... ;-)
Viele Grüße,
Andi

Kommentar von Ines |

Malta und Gozo sind toll :-) Superschöne Fotos habt Ihr, die große Lust auf Malta machen. Wir hatten auch überlegt, die Winterferien dort zu verbringen, aber die Flüge/Flugpreise sind unterirdisch. Da reise ich dann lieber virtuell mit Euch. LG, Ines

Kommentar von Romi |

Hallo Andi,
was ein schöner Bericht über Malta und Valletta! Ich hatte die Insel nur für den Sommer abgespeichert. Dabei scheint sie ja auch im Winter eine tolle Option zu sein. Das eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten in der Urlaubsplanung.
Liebe Grüße,
Romi

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