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Märchenhaftes Bodetal

Wir entdecken den Nordostharz

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit den Jugendherbergen und dem Harzer Tourismusverband e.V. entstanden.

„Ich sehe ganz viele Sterne!“, ruft unser 13-Jähriger unverhofft, als wir gegen 19:00 Uhr die letzte Strecke von Braunschweig in Richtung nordwestlichem Harzrand auf leerer, dunkler Autobahn brausen, froh, nach viereinhalb Stunden Fahrt aus Köln endlich bald anzukommen. Tatsächlich, ein fantastischer Sternenhimmel direkt über uns. Während der Weiberfastnachtskarneval direkt vor unserer Tür tobte und Putins Truppen in die Ukraine einmarschierten, alles ziemlich makaber und absurd, haben wir uns auf den Weg in eine für uns gänzlich unbekannte Gegend gemacht. Zwar war ich in der 7. Klasse mal auf Klassenfahrt in Goslar im Harz. Woran ich mich erinnern kann, sind jedoch nicht die besondere Landschaft im Harz oder die pittoreske Stadt Goslar, sondern eher die lustigen Abende auf Stockbetten und den Volltreffer eines Klassenkameraden, der einen Fußball versehentlich in den Speisesaal der Jugendherberge kickte.

Jetzt passieren wir die Grenze nach Sachsen-Anhalt (zugegebenermaßen zum ersten Mal in unserem Leben) und bald schon das Ortsschild Thale, der größten Kleinstadt im Bodetal im nordöstlichen Harz. Auf den ersten Blick wirkt der Ort etwas ausgestorben. Lebt hier irgendjemand? Alle Jalousien heruntergezogen, bis auf einem Mann mit Hund auf der Straße sehen wir keine Menschenseele. Ist das dunkel und still hier! Doch bald schon hören wir das lautstarke Tosen der Bode. Unsere Jugendherberge Thale liegt gleich daneben. Wir werden freundlich empfangen und das verpasste Abendbrot (eigentlich bis 19:00 Uhr) dürfen wir nachholen. Es ist schon alles vorbereitet. Wir beziehen unser Zimmer beziehungsweise unsere Zimmer, denn wir haben eine Art Familiensuite. Während unsere Jungs es sich in den unteren Abteilen zweier Stockbetten gemütlich machen, beziehen Andi und ich unser Elternzimmer gleich nebenan mit Durchgangstür. Ein eigenes Bad haben wir auch. Bald schon schlafen wir ein, mit dem einzigen Geräusch weit und breit im Ohr, dem Tosen der wilden Bode.

Jugendherberge Thale
Unsere Herberge direkt an der Bode
Jugendherberge Thale
Angekommen in der Jugendherberge Thale
Jugendherberge Thale
Frühstück in Thale

Jugendherberge in Thale

Die Jugendherberge Thale liegt traumhaft mitten im Bodetal und direkt am gleichnamigen Fluss. Von hier aus lässt sich das Tal mit seinen zahlreichen Wanderwegen perfekt erkunden. Auch zu den Seilbahnen oder in den Ort mit Einkaufsmöglichkeiten, der Bodetal Therme oder dem Bikepark Bodetal sind es nur wenige Geh- oder Fahrminuten.
Die Jugendherberge bietet neben 2- bis 7-Bettzimmern auch 4-6-Bettzimmer mit Stockbetten und Doppelbetten sowie eigenem Badezimmer mit Dusche und WC, die besonders gut für Familien geeignet sind. Im Übernachtungspreis ist das Frühstück inbegriffen, auf Wunsch kann man Mittag- und Abendessen oder ein Lunchpaket hinzubuchen.
Für die Freizeitgestaltung bietet das Haus Tischtennisplatten, Billardtisch, Kicker und Flipper, eine Bibliothek, einen schönen Außenbereich und einiges mehr.

Mehr über die Jugendherberge Thale erfahrt ihr auf der Website der Jugendherbergen.

Wer in einer Jugendherberge übernachtet, sollte Frühaufsteher sein. Warum eigentlich? Frühstück gibt es bis 9 Uhr und das wollen wir natürlich nicht verpassen. Und wir haben einige Pläne für heute. Das Frühstück ist lecker und Lunchpakete dürfen wir uns auch packen. Danach geht es los. Direkt vor unserer Haustür überqueren wir die Bode und gehen nur wenige Meter bis zur Seilbahn der Seilbahnen Thale Erlebniswelt, mit der wir steil hinauf zum Hexentanzplatz fahren wollen. Leider ist es heute zu windig und der Gondelverkehr wurde eingestellt. Sicherheit geht vor. Zum Glück fährt der Sessellift zur Rosstrappe den gegenüberliegenden Berg hinauf. Es gibt sogar ein Verdeck, das wir bei der heutigen Kälte und dem eisigen Wind gerne schließen.

Seilbahnen Thale
Mit dem Sessellift zur Rosstrappe
Seilbahnen Thale
Unterwegs im Bodetal

Nach kurzer Fahrt oben angekommen, laufen wir die kurze Strecke zur Rosstrappe. Der Sage nach bedrängte der liebestolle Riese Bodo hier seine angebetete Brunhilde so sehr, dass sich die arme Frau nicht anders zu helfen wusste als ihrem Pferd die Sporen zu geben und über das Bodetal auf die andere Seite der bizarren Sandsteinfelslandschaft überzusetzen, um den lästigen Schwerenöter endlich und endgültig loszuwerden. Sie hat es geschafft. Nur ihre Krone (ach ja, sie war eine Königstochter) fiel beim spektakulären Sprung hinab in die Bode. Bodo hat es nicht überlebt. Abgestürzt ist er, wurde in einen Hund verwandelt. Immerhin wurde die Bode nach ihm benannt. Da kann man jetzt drüber streiten, ob er das verdient hat! Hier oben gibt es verschiedene Wege durch den knorrigen Eichenbestand und auch einige Aussichtsplattformen mit spektakulären Ausblicken. So eine Landschaft haben wir noch nie gesehen. Eigentlich wollten wir mit dem Sessellift wieder zurück ins Tal fahren. Wir sind aber so angetan vom weiten Blick, den schroffen Felsen und dem immerfort tosenden Rauschen der Bode im Tal, dass wir kurzerhand beschließen, zu Fuß zur Jugendherberge nach Thale zurückzuwandern. Gesagt, getan. Der Blick ist gigantisch, die Wanderung auch für Kinder herausfordernd genug und mit einigen Kraxelpartien, sodass keiner meckert.

Rosstrappe Bodetal
An der Rosstrappe
Rosstrappe Bodetal
Aussichtspunkt Rosstrappe
Bodetal Harz
Blick ins Bodetal
Bodetal Harz Sachsen Anhalt
Abstieg ins Bodetal
Bodetal Harztal Harz Sachsen Anhalt
Brücke über die Bode

Inzwischen sind auch unsere Kölner Freunde angekommen, die uns an diesem verlängerten Wochenende begleiten, und wir verquatschen uns in der Sitzecke vor unserem Familienzimmer. Jetzt müssen wir aber mal los nach Blankenburg. Auf dem Weg noch eben eine Kleinigkeit in Thale gesnackt (die Lunchpakete haben wir schon aufgegessen), getankt, eingekauft und einen Kaffee getrunken, während unsere Jungs sich mit einheimischen Jungs angefreundet haben und auf dem hiesigen Bolzplatz zusammen Fußball spielen.

Nach Blankenburg ist es nicht weit und hier warten die nächsten Attraktionen auf uns. Wir parken am Großvaterfelsen und klettern hinauf. Mitten auf dem mehr oder weniger platten Land ragen hier krasse steile Felsformationen aus dem Nichts. Der Großvaterfelsen ist eine besonders hohe und beeindruckende davon. Etwa zwei Kilometer weit kann man über den Felskamm, die Teufelsmauer, die am Großvaterfelsen beginnt, in Richtung Timmenrode laufen, was wir auch tun. Wir wählen den oberen Kammweg, der uns über Klippen und durch schmale Felsspalten führt, ganz nebenbei herrliche Ausblicke auf die Umgebung bietet und mit einigen Kletterabschnitten vor allem auch den Jungs viel Spaß macht.

Großvaterfelsen Blankenburg
Der Großvaterfelsen in Blankenburg
Teufelsmauer Blankenburg
Wanderung nach Timmenrode
Teufelsmauer Blankenburg Harz
Felsiger Wanderweg
Teufelsmauer Blankenburg Harz
Wandern auf und zwischen Felsen
Teufelsmauer Blankenburg Harz
Teufelsmauer bei Timmenrode

Wir gehen bis zum Fuchsbau, den wir fast übersehen hätten. Es ist ein in den Stein geschlagener unterirdischer Unterschlupf für Wanderer, der schon 1934 entstand, und heute ein gutes Wanderziel vor allem für Kinder. Das Wetter hat nach einem Wolkenbruch mit Graupelschauern inzwischen aber wieder aufgeklart, sodass wir den Unterschlupf mit Panoramafenster nun nicht benötigen, sondern lieber zurück in Richtung Auto gehen.
Bald wird es dunkel und das Abendessen wollen wir heute nicht verpassen. Gekraxelt sind wir heute genug und nehmen zurück den schnelleren Waldweg zum Auto. Jetzt freuen wir uns auf das Abendessen und lassen den Abend nach dem Besuch im Speisesaal in der Sitzecke vor unserem Familienzimmer noch gemütlich ausklingen.

Teufelsmauer Blankenburg Harz
Eingang in den Fuchsbau
Teufelsmauer Fuchsbau Harz
Im Fuchsbau: Zimmer mit Aussicht

Der nächste Tag beginnt genauso früh wie der gestrige, wollen wir doch das leckere Frühstücksbuffet nicht verschlafen und außerdem haben wir auch heute wieder einiges vor im Bodetal, wo im Harz der Teufel los ist, so der passende Slogan, ist hier doch alles auf Sagen und Hexen ausgerichtet. Und heute fahren die Gondeln der Seilbahnen Thale auch wieder. Wir nehmen eine mit Glasboden, da beginnt die Erlebniswelt bereits. Für weniger Mutige gibt es auch solche mit normalem Boden. Steil hinauf geht es, über die bizarre Felslandschaft und die tosende Bode weit unter uns, bis hinauf zum Hexentanzplatz. Auch wenn ich schon einige spektakuläre Achterbahnfahrten überlebt habe, muss ich gestehen, dass mir mit dem freien Blick nach ganz tief unten doch etwas mulmig ist oder warum klammere ich mich so an meiner Sitzlehne fest?

Seilbahnen Thale
Seilbahn in Thale
Seilbahnen Thale
Gondel mit Glasboden

Von hier aus gehen wir noch ein Stück bergan zu einer Attraktion, auf die sich unsere Jungs ganz besonders freuen, den Harzbob, mit dem sie sogleich ins Tal hinunterbrausen und wir auch. Kaum sind wir wieder hochgezogen worden, wollen sie gleich nochmal fahren und tun das auch. Anschließend sehen wir uns hier oben noch ein bisschen um. Direkt neben der Bobbahn befindet sich der Tierpark Hexentanzplatz mit einheimischen Tieren wie Dammwild, Greifvögeln, Wildschweinen, Luchsen und sogar Bären. Auf dem Weg zurück zur Seilbahn werfen wir am Aussichtspunkt noch einen Blick auf das Bodetal. Heute blicken wir hinüber auf die Rosstrappe, die wir gestern erkundet haben. Dann geht es wieder mit der Glasbodenseilbahn hinunter ins Tal.

Hexentanzplatz
Bereit für den Harzbob
Harzbob
Ab auf den Harzbob
Hexentanzplatz
Hexen trifft man hier überall
Seilbahnen Thale
Bodetal aus neuer Perspektive

Nun heißt es auch schon Abschied nehmen vom sagenhaften Bodetal. Heute geht es auf unserer Harztour weiter in Richtung Westen in den Hochharz. Mehr davon erfahrt Ihr in unserem Hochharz-Artikel.

Ein Besuch im Harz

Der Harz hat uns sehr gut gefallen und ist ein tolles Ziel für Wochenendausflüge oder Kurzurlaube im Winter, aber natürlich auch im Sommer. Was man alles in der Region erleben kann, welche weiteren Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten es gibt, das findet ihr neben zahlreichen praktischen Tipps auf der offiziellen Webseite.

www.harzinfo.de

Zu unserem Artikel über den Hochharz rund um Schierke

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