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Design, Wind, Korvapuusti

Helsinki in einem Tag

Helsinki mit Kindern
Werbung: Die Helsinki Cards wurden uns freundlicherweise von Visit Helsinki zur Verfügung gestellt.

Nach einer gemütlichen Kajütennacht und einem leckeren Frühstück an Bord der Silja Symphony, mit der wir‚ eine Mini-Kreuzfahrt von Stockholm nach Helsinki und zurück unternehmen, laufen wir pünktlich um 10.30 im Olympiahafen von Helsinki ein. Helsinki kennen wir bisher nur als Finnair Drehkreuz zum Umsteigen nach Japan.

Unser erster Eindruck: Der Wind ist eisig und wirkt irgendwie sibirisch und auch was die Architektur betrifft erscheint Russland nicht weit. Der Uspenski Dom, die größte orthodoxe Kirche Westeuropas und Wahrzeichen Helsinkis, leuchtet schon von weitem mit seiner runden Kuppel. Und tatsächlich ist Russland nicht weit. Finnland hat nach langer schwedischer und russischer Herrschaft erst 2017 100-jährige Unabhängigkeit gefeiert. Offiziell zweisprachig ist Finnland auch heute noch, was man z.B. daran merkt, dass alle Straßennamen sowohl auf Finnisch als auch auf Schwedisch sind.

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Ankunft im Hafen von Helsinki
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Uspenski Dom

Der zweite Eindruck: Wo sind all die Menschen, die hier leben? Für einen Samstagvormittag wirkt die Stadt vom Hafen aus betrachtet fast ausgestorben. Allerdings kann man die Einwohnerzahl von Finnlands Hauptstadt auch nicht mit Metropolen wie London, Paris oder Berlin vergleichen. Die Einwohnerzahl entspricht ziemlich genau der Größe von Düsseldorf.

Als wir vom Hafen kommend auf Helsinkis durch die Champs-Élysées inspirierten Prachtboulevard Esplanadi abbiegen, wird es etwas voller, aber auch nur etwas. Wir sind auf dem Weg zu Helsinkis Traditionskaufhaus Stockmann, wo es auf vielen Etagen wirklich alles gibt. Staunend stehen wir in der Abteilung für Hundebekleidung und gehen vorbei an prachtvoll bunten Marimekko Blumenkleidern und Mumin Souvenirs. Allerdings sind wir nicht zum Shoppen hier, sondern um eine Helsinki Card zu besorgen. Damit können wir kostenlos sowohl öffentliche Verkehrsmittel als auch zwei Hop-on-Hop-off Busse nutzen und haben kostenfreien bzw. reduzierten Eintritt bei vielen Sehenswürdigkeiten. Perfekt also für einen Tag in Helsinki, denn um 17.00 legt unser Schiff wieder ab in Richtung Stockholm.

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Helsinkis Prachtmeile Esplanadi
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Helsinki City mit Blick auf "unsere" Silja Symphony

Sobald wir die Helsinki Cards in den Händen halten, setzen wir unseren Weg fort in Richtung Design Museum, das gar nicht weit ist.

Der dritte Eindruck von Helsinki: Schönes finnisches Design überall. Das bereits erwähnte farbenfrohe Marimekko Design, eins der größten zusammenhängenden Jugendstilviertel der Welt und Künstler wie der weltberühmte Finne Alvar Aalto sind überall präsent. Nicht nur im Design Museum, wo man neben Design Klassikern wie dem Ball Chair und den wellenförmigen Aalto Vasen auch buntes Tapeten- und Stoffdesign sowie eindrucksvolle Architektur Schmuckstücke bewundern kann. Auch die Finlandia Halle, ein Meisterwerk des Funktionalismus, steht in Helsinki. Im Design Museum erfahren wir, dass auch die Angry Birds eine finnische Erfindung sind und die Elektronik auch nach dem Untergang von Nokia noch einer der größten Industriezweige Finnlands ist. Während Andi und ich staunend durch das schöne Gebäude schlendern und im Museums Shop noch ein paar hübsche Weihnachtskarten im finnisch-fröhlichen Design erstehen, verbringen unsere Jungs die meiste Zeit damit, sich an einer Wand zu verewigen, an der schon Kunstwerke aus aller Welt hängen, manche davon echt beeindruckend kunstvoll, wie z.B. die Zeichnung des Doms von einer koreanischen Museumsbesucherin.

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Design everywhere
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Ball chair
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Angry birds - auch das ist finnisches Design
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Hier dürfen sich die Jungs mit ihrem Design verewigen
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Im Keller des Museums

Die nächste Attraktion wartet draußen vor dem Fenster: die ersten Schneeflocken! Jetzt wollen die Jungs natürlich sofort raus, denn Schnee im Oktober ist für sie schon etwas sehr Besonderes. Leider bleibt der Schnee nicht liegen, wir Eltern sind nicht allzu böse drum. Kalt ist uns eh schon genug. Vor allem der eisige Wind macht uns zu schaffen. Trotz Handschuhen, Mütze und Kapuze darüber friere ich noch. Wohingegen uns in kurzen Shorts joggende Finnen entgegenkommen. Mützen trägt hier niemand.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle geht es auf und ab. Das ist der vierte Eindruck: Helsinki ist viel bergiger als wir erwartet hätten. Im Gegensatz zu Stockholm wird es weniger schick, wenngleich nicht ungepflegt, auf uns versprüht es eher einen sympathischen, leicht morbiden Ostcharme. Es gibt viele außergewöhnliche kleine Lädchen, die man sich genau so auch in Tschechien oder anderen ehemaligen „Ostblockländern“ vorstellen könnte. Vollgestopfte Antiquariate, Mode- und Designläden, und überall nette kleine Cafés. Um uns zu stärken und unsere gegen Wind und Wetter schützende Fettschicht zu vergrößern holen wir uns verschiedene leckere Gebäckstücke in einer schnuckeligen kleinen Bäckerei, die aus dem vorletzten Jahrhundert stammen könnte. Der einzige Name, de uns bekannt vorkommt, ist Korvapuusti, Zimtschnecke, die anderen Teilchen sind aber auch lecker. Meins schmeckt stark nach Muskatnuss, ungewöhnlich, aber lecker.

An der Station Kaivopuisto Park, schön am Wasser gelegen, besteigen wir den Hop-on-and-off Bus. Es gibt zwei verschiedene Anbieter und Routen, die alle Sehenswürdigkeiten der Stadt abfahren und in viele verschiedenen Sprachen Erklärungen über Kopfhörer dazu abgeben. Beide Linien kann man als Helsinki Card Inhaber kostenfrei nutzen. Kinder bis 12 Jahren fahren umsonst.

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Hier gibt es Korvapuusti
Helsinki mit Kindern
Bequem mit dem Bus durch Helsinki

Der fünfte Eindruck: Die Finnen sind ganz anders als alle anderen Skandinavier. Und das betonen sie auch gerne. So erzählt uns der Sprecher an Bord des Touristenbusses von der liebevollen Hassliebe zu Schweden. Während man Schwedisch noch bröckchenhaft einigermaßen verstehen bzw. ableiten kann (alles klingt irgendwie nach verniedlichender Ikeasprache), verstehen wir im Finnischen kein Wort. Kein Wunder, ist es doch eine uralische Sprache, die dem Estnischen viel ähnlicher ist als dem Schwedischen.

Der Bus führt uns nach der Prunkstraße Esplanadi, die wir mit Stockmann schon kennen, weiter über die zweite wichtige Prunk- und Shoppingmeile Mannerheimintie. Hier wirkt die Stadt nun nicht mehr ausgestorben bzw. verschlafen. Wir fahren bis zur Felsenkirche (Temppeliaukio-Kirche), die wir uns unbedingt ansehen wollen. Wir haben Glück und müssen nur 15 Minuten warten, bis die Kirche wieder der Öffentlichkeit zugänglich ist (wir wussten nicht, dass es Pausen gibt, also bitte unbedingt beachten, falls Ihr mal hin wollt!). Die Zeit überbrücken wir in den umliegenden Souvenirläden und erweitern unsere Schneekugelsammlung um eine aus Helsinki - natürlich mit dem Wahrzeichen, dem Dom.

Die Felsenkirche ist sehr beeindruckend. 1961 geplant und 1969 fertiggestellt, mit einer Decke aus etwa 22 Kilometern (!) Kupferdraht in den Granitfelsen gebaut mit unzähligen Deckenfenstern, die einen wunderschönen Lichteinfall schaffen. Die Atmosphäre in der Felsenkirche ist sehr besonders.

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Eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Helsinki: die Felsenkirche

Mit dem Bus setzen wir unserer Reise fort und bewundern zumindest im Vorbeifahren Sehenswürdigkeiten wie die Finlandia Halle, das Olympiastadion und das Sibelius Monument.

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Design im Vorbeifahren

Wir steigen nicht am Hafenterminal aus, sondern eine Station früher, da wir uns noch die älteste Markthalle Helsinkis (Vanha kauppahalli) ansehen und dort einen Kaffee trinken und eine Kleinigkeit essen wollen, bevor wir zurück aufs Schiff gehen.

Die Halle ist von innen mindestens so hübsch wie von außen und sehr gemütlich. Uns erinnert sie irgendwie an einen Weihnachtsmarkt. Neben vielen Ständen, wo man die Qual der Wahl hat zwischen unzähligen Leckereien, typisch finnischen mit viel Lachs und Rentierfleisch, aber auch vietnamesischen und spanischen, gibt es hier auch Gemüse-, Fisch- und Fleischstände. Wir trinken einen sehr leckeren Kaffee, denn Finnland ist auch für seine Kaffeekultur berühmt, wie wir in Helsinki gelernt haben. Neben ein paar Lachsbaguettes gönnen wir uns noch ein letztes klebrig-süßes Korvapuusti dazu, die Dinger haben wir schon liebgewonnen. So lässt sich auch die eisige Kälte draußen wird besser ertragen. Zu unserer Silja Symphony haben wir es aber ohnehin nicht mehr weit.

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Heimelige Atmosphäre in der alten Markthalle
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So sieht die Markthalle von außen aus
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Ein Stand leckerer als der andere
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Tschüß Helsinki

Mehr über unseren Skandinavien-Trip erfahrt ihr in den Artikeln "Auf Mini-Kreuzfahrt auf der Ostsee" und "24 Stunden Stockholm".

Reiseführer

Wer direkt in die finnische Hauptstadt eintauchen will, dem empfehlen wir den DuMont direkt Reiseführer Helsinki. In 15 Kapiteln werden Touren vorgestellt, mit denen man die Stadt und deren Hotspots erkunden kann: Alte Arbeiterquartiere und neue Trendviertel, Jugendstil und moderne Architektur, Senatsplatz und Esplanade, bunte Märkte oder spannende Museen. Neben einem großen Cityplan gibt es zudem zahlreiche Tipps u.a. für Restaurants, Ausgeh- und Übernachtunsmöglichkeiten. 

Kommentare

Alice

Guten Tag,
Ganz tolle Kurzvorstellung einer interessanten Stadt!
Ich freue mich auf weitere Artikel und Fotos von euch!

Viele Grüße Alice

Florian

Hi,
Das Design-Museum und die Felsenkirche sind wirklich lohnend! Ihr habt euch die richtigen Ziele für einen Tag ausgesucht.
Viele Grüße Florian ( Finnland Fan)

Henning

Genial! Was man alles an einem Tag besichtigen, erleben kann!
Großartig!
Gruß Henning

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