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"Corona-Ferien" A bis Z

Wir bleiben zuhause

Normalerweise schreiben wir unser A bis Z über Reiseziele, die wir besucht haben. Da es momentan aber keine Reiseziele gibt, die man ansteuern könnte bzw. dürfte, haben wir überlegt, unser A bis Z in etwas abgewandelter Form auf diese merkwürdige Coronazeit anzuwenden. Wie immer ist unser Bericht natürlich völlig subjektiv. Sicherlich erkennt Ihr einiges aus eigenen Erfahrungen wieder. Manches erlebt Ihr vielleicht komplett anders. Wir freuen uns, von Euren Erfahrungen aus den „Coronaferien zuhause“ zu erfahren.

Abendmahl, das letzte

Bevor die Schul- und Ladenschließungen Mitte März beschlossen wurden, sind wir Samstagabend noch mit Freunden Essengegangen. Diesen Termin hatten wir schon länger im Voraus geplant. Da haben wir noch Witze gemacht von wegen letztes Abendmahl etc. Dass es wirklich zum wochenlangen Shutdown kommen würde, konnten wir uns damals noch nicht so recht vorstellen. Der Laden war voll und anderthalb Meter Abstand hielt niemand. Wie lange her einem das mittlerweile vorkommt!

Angela Merkel

Auch als Nicht-Merkelwählerin bin ich froh, dass wir sie als besonnene, rational denkende Kanzlerin haben. Und mir tun diejenigen leid, die in einer solchen Krise von jemandem wie Trump und Konsorten regiert werden. Als die Bundeskanzlerin sich vor Ostern an uns Bürger wandte, habe ich mich wie sicherlich viele andere auch gefragt, warum sie das nicht schon in anderen Krisen zuvor getan hat, insbesondere in der Flüchtlingskrise 2015. Ich fand ihre Rede richtig gut, auch die von Herrn Steinmeier an Ostern. Dass die Umfragewerte der Großen Koalition gestiegen sind, kann ich also nachvollziehen. Als nach der Ministerpräsidentenkonferenz nun aber die sogenannten Lockerungen und Maßnahmen, um den „Flickenteppich“ zu verhindern, veröffentlicht wurden, war ich maßlos enttäuscht und komplett ratlos. Welche Kriterien wurden hier angelegt? Wie wurde versucht zu verhindern, nach dem allgemeinen Shutdown große Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zu schaffen? Wieso ist die Regierung nicht in der Lage, das nachvollziehbar zu erklären, damit die Bürger weiterhin diszipliniert mitmachen und sich an die Beschränkungen halten?

Anton

Manchmal fällt es mir nicht so leicht, Mato zu beschäftigen, der als Zweitklässler einen sehr spärlichen Wochenplan abzuarbeiten hat im Vergleich zu Milans umfänglichen Fünftklässler-Hausaufgabenberg. Zum Glück gibt es Anton, die App, mit der sich Mato stundenlang beschäftigt bzw. damit lernt.

Coronaferien
Matos Profilbild bei Anton (mit Schutzmaske)

Challenges

In der ersten Woche des Shutdowns waren wir hier zuhause noch sehr guter Dinge. „Corona-Ferien!“ haben sich die Jungs über die neuartige Situation gefreut, nicht wissend, dass das nun monatelang so andauern würde. Um uns nicht zu langweilen und in Bewegung zu bleiben, haben wir ein paar Regeln gelockert, zum Beispiel war nun Fußballspielen im Flur der Wohnung möglich. Und wir haben uns tägliche Challenges überlegt, jeder von uns durfte Vorschläge machen, sie auf Zettel schreiben, sodass wir sie dann aus einem Hut ziehen konnten. Dabei haben wir uns dann in Disziplinen wir „wer am längsten einen Eiswürfel im Mund behalten kann“ über „am schnellsten eine Banane essen“ und „am längsten Luft anhalten“, „am längsten auf einem Bein stehen“ und „am längsten auf einem Gymnastikball sitzen“ oder „in 2 Minuten den höchsten Turm mit Kaplaklötzen bauen“ gemessen – und hatten viel Spaß dabei.

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Viele Zettel im Hut
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Luft anhalten

Degeneration

Von einigen Eltern hören wir, dass sich ihre Kinder im Zuge der Schulschließungen und nicht mehr vorhandenen sozialen Kontakten scheinbar zurückentwickeln und in Kleinkindverhaltensmuster zurückzufallen scheinen. Bei unseren Jungs äußert sich das darin, dass sie unbedingt ihr altes Bobbycar, das wir vor Jahren in die Garage verbannt hatten, wiederhaben wollten. Nun fahren sie zu zweit (einer sitzt drauf, einer schiebt in halsbrecherischem Tempo an) glücklich durch die Wohnung.

Disziplin und Aggressivität im Shutdown

Als wir Ostersonntag mit dem Fahrrad durch Köln fuhren, war trotz Ostern und schönen Wetters die Aggressivität vieler Menschen zu spüren. Sich von nicht an Zebrastreifen halten wollenden und Stoppschilder ignorierenden Autofahrer anpöbeln lassen, lauthals schimpfende entgegenkommende Radfahrer (zugegeben, wir sind ein paar Meter auf der falschen Seite des Radwegs gefahren, um einer Großfamilie mit drei Kinderwagen auszuweichen – mit sehr viel Abstand allerdings). Auch beim Laufen im Park: Jogger, die partout keinen Millimeter ausweichen und einen anschwitzen und -atmen, Menschen, die sich beim Warten an der roten Ampel zu dritt in den 2-Meter-Abstand zum Nachbarn dazwischenquetschen. Karfreitag auf „unserer“ Fußballwiese eine Horde von fast 20 Menschen, keine jugendlichen Corona-Party-Feierer, sondern mittelalte Typen mit unzähligen Bierflaschen und immer lauter grölenden Stimmen, mit hochschwangeren Frauen, die sich in den Armen liegen und Sekt trinken, während sich ein älterer Sohn direkt neben Milan auf den Baum zwängt, auf den er sich zurückgezogen hat. Wie lange wird das noch gutgehen?

Du hast Corona!

In der zweiten Woche der Schulschließung bin ich wie jeden Nachmittag mit den Jungs auf einer Wiese um die Ecke Fußballspielen. Plötzlich entdecken die beiden Juri, einen Klassenkameraden von Mato, dessen Mutter und kleine Schwester, die mit dem Rad vorbeifahren. Große Freude nach gefühlt ewiger sozialer Isolierung. Natürlich wissen auch die jüngsten Kinder, dass sie Abstand halten müssen. Ich spreche kurz mit Juris Mutter und eh wir es uns versehen, stürmen die vier Kinder in alle Richtungen los und spielen – scheinbar unabgesprochen- Fangen, nein „Du hast Corona!“

Eisdiele

Zum Glück hat unsere Lieblingseisdiele um die Ecke auf! Hier essen wir jeden Tag ein Eis.

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Das tägliche Eis

Fernsehen

Andi und ich haben das abendliche Fernsehen bzw. Streamen in der Coronakrise für uns wiederentdeckt. Nach getaner Arbeit ist unsere Belohnung also eine Folge irgendwas, bevor es am nächsten Morgen wieder genauso weitergeht mit Homeoffice, Homeschooling, Eisdiele, Fußball und Tagesschau.

Fußball

Wir sind froh, dass es in Deutschland keine Ausgangssperre gibt und hoffentlich auch nicht geben wird. So drehen wir zumindest täglich unsere Runde, zu der auch als fester Bestandteil das Fußballspielen dazugehört. Ohne Bewegung draußen würden wir komplett verrückt werden.

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Das tägliche Fußballspiel
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Manchmal spielen wir zur Abwechslung auch Federball

Georgien

Ganz zu Beginn des Shutdowns hatten wir noch zarte Hoffnung, dass wir unseren Osterurlaub nicht würden canceln müssen. Schnell wurden wir eines Besseren belehrt. Irgendwie soll es nicht sein mit unserer Georgienreise, die wir seit Langem planen. Immer kam irgendwas dazwischen. Bisher allerdings immer positive Ereignisse in Form von Reiseoptionen, die sich „dazwischengedrängt“ haben. Diesmal Corona. Wir hoffen, unsere Pläne für eine Georgienrundreise irgendwann noch einmal umsetzen zu können.

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Leider kein Georgien

Hefe, das Coronagold

Wie gerne sie doch einen Hefezopf backen würde, schreibt mir meine Schwester am Ostersamstag. Ich habe tatsächlich noch ein Päckchen übrig, da Andi beim Einkaufen ergattert hat. Überglücklich holt es sich meine Schwester auf unserer Fußballwiese ab und schickt mir wenig später ein Foto eines gigantisch großen Osterzopfs. Bei dem schönen Wetter ist die Hefe wohl schon vor dem Backen in der Sonne etwas aufgegangen.

Homeoffice und Homeschooling

Schnell wurden mir ab Mitte März in meinem eigentlichen Job als Trainerin, Beraterin und Coach sämtliche Veranstaltungen abgesagt bzw. auf unbestimmte Zeit verschoben. Erst allmählich zeigen die ersten Kunden Interesse an digitalen Formaten. Bei Andi läuft seine Arbeit mehr oder weniger gewohnt weiter, nur eben größtenteils aus dem Homeoffice. Ich verbringe also die meiste Zeit mit den Jungs zuhause, so wie die viele andere auch. Morgens helfe ich Milan dabei, den Hausaufgabenberg abzuarbeiten, den die Lehrer unermüdlich schicken, aber nicht kontrollieren und Eltern und Kinder auch sonst komplett alleinlassen. Danach gehen wir raus und arbeiten nachmittags oder abends meistens noch weiter. Einerseits ist es frustrierend und existenzbedrohend, derzeit als Selbstständige keine Aufträge zu haben, andererseits wüsste ich nicht, wie ich beides, Homeoffice und Homeschooling, parallel hinkriegen würde. Und dabei sind unsere Kinder schon „groß“. Die alleinerziehende berufstätige Mutter von dreijährigen Zwillingen aus Marzahn, die neulich im ARD Brennpunkt porträtiert wurde, tat mir wirklich leid, wie sie zwischen Essenkochen und Kinderbespaßen versuchte, ihre schon mehrfach verschobenen Telefonkonferenzen irgendwie abzuhalten. Am besten brachte sie die Situation auf den Punkt mit der Feststellung, sie sei gestern so durch den Wind gewesen, dass sie zweimal Mittagessen gekocht habe.

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Schule auf dem Balkon

Johns Hopkins Universität

Jeden Abend um 20 Uhr versammeln wir uns zu viert vor der Tagesschau. Jedes Mal, wenn die (uns zuvor zugegebenermaßen unbekannte) Johns Hopkins Universität erwähnt wird, fangen unsere Jungs an zu kichern. Langsam haben sie sich aber an den komischen Namen und die häufige Nennung gewöhnt.

Kanalarbeiten

Das Schöne an den geschlossenen Schulen, den leeren Straßen und der vorübergehenden Arbeitslosigkeit ist ja das Ausschlafen -theoretisch. Denn leider haben parallel zur Schulschließung in unserer Grundschule gegenüber und in unserer Straße umfangreiche Kanalarbeiten begonnen. Um 7 Uhr geht es mit großem Getöse los. Altes Bauarbeitergesetz: Beginne den Tag immer mit den lautesten Arbeiten! Die leisen Arbeiten kommen dann, wenn alle wach sind, dran.

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Himmlische Ruhe in unserer Straße -bevor die Kanalarbeiten begannen

Klettern

Eine der wenigen Sportarten bzw. Beschäftigungen, die auch in Coronazeiten möglich ist. Während die Spielplätze ja alle geschlossen sind, machen wir also einen großen Bogen darum und begnügen uns mit dem Kletterbaum dahinter. Hier lassen sind die Jungs herunterbaumeln oder wir machen Challenges wie „wer am längsten an den Armen vom Ast hängen kann“. Ich verliere dabei immer.

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Einfach mal abhängen

Klopapier

Die Engpässe in der Klopapier-Lieferkette scheinen behoben zu sein. Als das noch nicht so war, beobachteten wir folgende Szene auf unserer Straße: Eine Frau, nicht ganz klar ob sturzbetrunken oder drogenabhängig, geht in sehr merkwürdigem Gang (mit dem Oberkörper übertrieben nach hinten gebeugt) über den Zebrasteifen, in der Hand ein Klopapierpaket. Ein Mann nähert sich ihr, spricht kurz mit ihr, hakt sie unter und hilft ihr über die Straße, und schwupps, hat er das Klopapier selbst unterm Arm und verschwindet. Erst machen wir Scherze darüber, bis wir irgendwann merken, dass er der armen Frau offenbar tatsächlich das Klopapier geklaut hat.

Laufen

Ohne meine tägliche Laufrunde durch den Stadtwald würde ich vermutlich verrückt werden. Eigentlich ist Schwimmen meine Lieblingssportart, bei der ich am besten abschalten kann, aber das geht ja derzeit nicht, da alle Bäder zu sind. Beim Laufen kann ich mich zumindest auspowern und meine Gedanken sortieren. Leider scheint es Millionen anderer Menschen genauso zu gehen, weshalb der Park viel voller ist als sonst. Viele haben das Laufen entdeckt, dazwischen Spaziergänger, Lasten-E-Bikes, Laufräder, Skateboards und Kinderwagenkolonnen, weshalb meine eigentlich knapp 10 Kilometer lange Route durch das ewige Slalomlaufen nun viel länger ist. Was mich wirklich aufregt: Wenn mir ein Jogger entgegenkommt, könnte man ja meinen, dass jeder etwas ausweicht, um den Mindestabstand zu wahren. Leider ist das nicht so. Ich ekel mich richtig, wenn mich ein vollgeschwitzter Jogger mal wieder fast streift und mir dabei am besten noch ins Gesicht atmet. Muss das sein?

Coronaferien
Früh morgens ist der Stadtwald noch schön leer
Coronaferien
Am Decksteiner Weiher

Lehrer

In meiner Familie gibt es viele Lehrer und schon allein deshalb gehöre ich nicht zu denjenigen, die Lehrer pauschal als faule, überbezahlte, dauerkranke Paradebeamte, die diesen Beruf vor allem der Arbeits- und Ferienzeiten wegen gewählt haben, verurteilen. Im Zuge der Coronakrise verstehe ich allerdings leider immer mehr, woher dieser Ruf rührt. Natürlich gibt es Ausnahmen und für diese tut es mir wirklich leid, dass sie zukünftig ihren Ruf noch vehementer werden verteidigen müssen. Aber voll bezahlt wochenlang nur Hausaufgabenberge zu schicken, für deren Rücklauf aber keinerlei Interesse zu bestehen bleibt, finde ich schon erbärmlich. Leider geht es den allermeisten, die ich kenne, genauso. Onlineunterricht? Wo denkt Ihr hin! Vielleicht kann man das auch nicht von jedem Lehrer erwarten und vermutlich ist das auch von Schulleitungen nicht gewünscht. Aber sich hinter Argumenten wie Datenschutz und manche Familien hätten ja keine mobilen Endgeräte bzw. Eltern bräuchten diese ja selber im Homeoffice zu verstecken, damit macht man sich es doch etwas zu einfach, oder? Wenn die Digitalisierung in deutschen Schulen also immer noch so weiter hinterherhinkt, wäre dann nicht zumindest möglich, einmal pro Woche eine Präsenzzeit anzubieten, den Schülern eine Mail zu schreiben oder ansonsten auch einfach mal anzurufen und Schüler und Eltern nicht komplett alleinzulassen? Und wenn sich Lehrer dann wundern, dass es Nichtlehrern aufstößt, wenn sie davon schwärmen, in den „Corona-Ferien“ endlich mal Zeit für sich und den eigenen Garten zu haben, dann weiß ich auch nicht mehr, wie man diese Kluft noch schließen könnte.

Podcast

Wenn wir gerade nicht reisen und auch keine Reisen konkret planen können, dann schwelgen wir gerne in Erinnerungen. Das machen wir gerade vornehmlich in Form unseres Podcasts, in dem wir über unsere Reisen berichten und so uns und den Zuhörern zumindest das Reisen im Kopf ermöglichen.
Den Podcast könnt ihr bei Spotify, Apple Podcast und den sonstigen Plattformen anhören und abonnieren.

Coronaferien
Wir nehmen unseren Podcast auf

Positive Effekte der Krise

Dazu fallen mir unter anderem ein:

  • Wir verbringen mehr Zeit zusammen als Familie. Die Jungs verstehen sich besser als sonst (aus Mangel an Alternativen?)
  • Die Luft ist klarer, der Himmel frei, die Feinstaubbelastung deutlich geringer
  • Ich kann seit vielen Jahren das erste Mal wieder ohne Ohropax schlafen, weil nachts kaum mehr Autos durch unsere Straße rasen und vor allem keine besoffenen Gröler
  • Milan sagt, er habe sich schon immer gewünscht, einmal Urlaub zuhause zu machen. Ein bisschen haben wir es alle genossen
  • Ich habe endlich gelernt, Fußball zu spielen
  • Ich hatte Zeit, mit Freunden in Deutschland, Italien, Spanien und Hongkong zu telefonieren, mit denen ich sonst selten spreche
  • Friedrich Merz ist in der Versenkung verschwunden und die AfD unter 10% gerutscht
Coronaferien
Leere Straßen - ein echter Gewinn in der Coronazeit
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Zülpicher Straße in leer

Radfahren

Noch ein positiver Coronakrisen-Nebeneffekt ist, dass Andi und ich nun am Wochenende häufiger gemeinsame Fahrradausfahrten machen, z.B. den Rhein aufwärts nach Sürth.

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Leere Straßen - ein echter Gewinn in der Coronazeit
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Am Rhein

Schutzmasken

Schutzmasken sollen helfen, nein doch nicht, nur andere schützen, empfohlen werden, Pflicht, freiwillig getragen werden, nur drinnen, auch draußen, von Risikopatienten, von allen,…Hä? Was denn nun? Solche, die sie tragen, berichten, dass sie wie Aussätzige angestarrt werden, aber langsam ändert sich das Bild. Warum können sie nicht einfach Pflicht werden beim Einkaufen und in anderen geschlossenen Räumen, in denen ein Mindestabstand nicht möglich ist einzuhalten? Die Strategie, erst Fehlinformationen zu säen, um die Leute vom hamstern von Masken, die dringend in Kliniken benötigt werden, finde ich sehr fragwürdig – sollte das die Strategie gewesen sein.

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Selbstgenähte Schutzmasken von Andi Schwester

Social Distancing

Klar, wir alle müssen diszipliniert alle persönlichen Kontakte auf das absolute Minimum reduzieren, was wir auch tun. Bilder und Filme aus der Vor-Coronazeit, in denen Menschen dicht gedrängt beieinanderstehen, sich fröhlich die Hände schütteln, sich küssen und umarmen, kommen uns schon vor wie aus einer komplett anderen Zeit. Einkaufen zu gehen, empfinde ich als echte Herausforderung, da man dort nirgends den empfohlenen Mindestabstand einhalten kann. Ich rege mich auf über Menschen, die einem immer noch zu nahe kommen, sich zum Beispiel beim Warten an der roten Ampel oder im Supermarktgang noch dazwischendrängeln müssen, während man selbst brav in großem Abstand wartet. Als meine Schwester neulich Geburtstag hatte und ich ein Geschenk für sie an der Tür ablieferte und sie mir ein Kuchenstück nach draußen, bin ich richtig traurig geworden. Wie gerne hätte ich sie mal gedrückt und meine Nichten, die mir aus dem Hintergrund zuwinkten, auch. Auch Freunde und meine Eltern vermisse ich sehr. Ein kleiner Trost sind die Videotreffen mit Freunden am Abend, bei denen wir quatschen und uns virtuell zuprosten. Und Mato war neulich sogar auf seinem ersten Onlinegeburtstag eingeladen und hatte viel Spaß dabei.

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Auf einem Skype-Kindergeburtstag

Soforthilfe

Da mir sehr schnell alle Gruppen- und schließlich auch Einzelveranstaltungen in meinem eigentlichen Job als Trainerin, Beraterin und Coach mit eigener Firma abgesagt wurden, habe ich mit meiner Kollegin zusammen am 1. April Soforthilfe für kleine Unternehmen in Not beantragt. Eine Eingangsbestätigung haben wir auch bekommen. Ob das Geld jemals ankommt, wissen wir noch nicht. Einen Bewilligungsbescheid haben wir noch nicht bekommen. Dank der Betrugsfälle kann das wohl auch noch dauern. Ich finde es richtig, dass die Bundesregierung unbürokratische, schnelle Hilfe zur Verfügung stellt. Umso trauriger, dass Menschen aus der Not Anderer Kapital schlagen wollen.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Nach dem täglichen Hausaufgabenabarbeiten machen wir uns jeden Tag auf den Weg nach draußen. Und jeden Tag tun mir die Menschen leid, in deren Land eine Ausgangssperre verhängt wurde. So können wir zumindest noch die immergleiche kleine Runde drehen, die täglich kaum variiert: mit dem Roller zur Eisdiele, die ab 14.00 öffnet, weiter auf die Wiese zum Fußballspielen und Klettern, Spiel- und Bolzplätze sind ja passé, und gegen Abend wieder zurück.

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Die Tour beginnt in Richtung Aachener Weiher
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So leer ist es hier sonst nie
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Nix los am Aachener Weiher. Das Ordnungsamt fährt Patrouille

Kommentare

Mira

? sehr gut getroffen!
Eine Leidensgenossin

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